Woche 10 | Session 4: Informationssysteme in der SCM — ERP-Überblick, MRP, Anwendungsfälle & Implementierung
Kurs: Supply Chain Digitalisierung — Modul 4: Digitale Infrastruktur
Session-Agenda
Abschnitt betitelt „Session-Agenda“1. Kontext — Von Hardware zu Software
Abschnitt betitelt „1. Kontext — Von Hardware zu Software“Vorherige Sessions behandelten Hardware (Barcodes, QR, RFID, Sensoren) — die Datenerfassungsschicht. Diese Session wechselt zu Software — den Informationssystemen, die diese Daten verwalten, planen und darauf reagieren.
Drei Schlüssel-Informationssysteme in der SCM: ERP (diese Session), WMS und TMS (nächste Session).
2. Warum Informationssysteme in der SCM benötigt werden
Abschnitt betitelt „2. Warum Informationssysteme in der SCM benötigt werden“Eine Supply Chain hat viele Prozesse, viele Entitäten, viele simultane Interaktionen. Ohne strukturierte Systeme operieren Organisationen im Zufallsmodus — schwer, Leistung zu messen oder Referenzpunkte zu halten. Informationssysteme bringen: Transparenz + Effizienz + strukturierte Entscheidungsunterstützung.
Schlüsselprinzip: IS sollten basierend auf organisatorischem Bedarf ausgewählt werden — nicht weil ein Wettbewerber es nutzt.
3. Fünf Bedürfnisse, die ERP-Implementierung antreiben
Abschnitt betitelt „3. Fünf Bedürfnisse, die ERP-Implementierung antreiben“- Planung: Aufgaben für nahe und ferne Zukunft über alle SC-Prozesse hinweg identifizieren. Vermeidet tägliches Feuerlöschen — ermöglicht längere Zeithorizonte.
- Ausführung: Plan in tägliche Aktionen umwandeln — wer was mit welchen Ressourcen tut. Inventarsortierung, Versand, Rechnungsstellung, Abrechnung passieren täglich.
- Automatisierung: Repetitive Aufgaben (z.B. Erinnerungs-E-Mails an Lieferanten) → automatisieren, um menschliche Kapazität für wertschöpfende Arbeit freizusetzen.
- Überwachung: Lagerbestände, versandte Bestellungen, Personalanwesenheit, Gerätestatus über Dashboards verfolgen. Probleme frühzeitig erkennen.
- Kontrolle: Auf Überwachungsdaten reagieren — fehlerhafte Linie stoppen, Zeitplan anpassen, Verzögerung eskalieren. Kann manuell oder automatisiert sein. Schließt den Regelkreis: planen → ausführen → überwachen → kontrollieren → neu planen.
4. Was ist ERP — Enterprise Resource Planning?
Abschnitt betitelt „4. Was ist ERP — Enterprise Resource Planning?“ERP = ein Softwaresystem (oder eine Sammlung von Anwendungen), das Geschäftsprozesse in einer gesamten Organisation verwaltet.
- Enterprise = Verbindung mehrerer Entitäten/Prozesse, die Wert für einen Kunden liefern.
- Basiert auf: großen Mengen transaktionaler Daten, die durch Formeln und Regeln miteinander verbunden sind.
Implementierungsmöglichkeiten
Abschnitt betitelt „Implementierungsmöglichkeiten“| Ansatz | Beispiele | Anmerkungen |
|---|---|---|
| Standardsoftware | SAP, Oracle, Tally | Marktlösungen für spezifische Module |
| In-house entwickelt | Open-Source-Tools, Tabellenkalkulationen | Für spezifische/benutzerdefinierte Prozesse geeignet |
| Cloud-basiertes ERP | Zunehmend beliebt | Vermeidet lokale Serverabhängigkeit; überall zugänglich |
5. Grundlage — MRP vs. ERP
Abschnitt betitelt „5. Grundlage — MRP vs. ERP“ERP entstand aus MRP — Material Requirements Planning — geht jedoch weit darüber hinaus:
| Attribut | MRP | ERP |
|---|---|---|
| Vollständiger Name | Materialbedarfsplanung | Enterprise Resource Planning |
| Umfang | Eng — Produktion/Fertigung | Weit — alle Geschäftsfunktionen |
| Schlüssel-Inputs | BOM + Bestandsaufzeichnungen + Vorlaufzeiten + Bedarf | Alle MRP-Inputs + Finanz- + HR- + funktionsübergreifende Daten |
| Schlüssel-Outputs | Was produzieren/kaufen, wann, wie viel | Integrierte Pläne — Terminplanung, Budgetierung, Rechnungsstellung, Berichterstattung |
| Fokus | Wann welche Komponenten herstellen/kaufen | Ressourcen, Informationen und Entscheidungen im gesamten Unternehmen verwalten |
| Branchen | Montage, Fertigung | Alle Branchen — Service, Fertigung, Handel, SC |
MRP-Schlüssel-Inputs
Abschnitt betitelt „MRP-Schlüssel-Inputs“- Stückliste (BOM): hierarchische Aufschlüsselung der Komponenten für das Endprodukt.
- Bestandsaufzeichnungen: aktuell verfügbarer Bestand. Vorlaufzeiten: Dauer jedes Schritts.
- Bedarfsplan: was produziert werden muss und wann.
6. ERP-Anwendungsbereiche / Module
Abschnitt betitelt „6. ERP-Anwendungsbereiche / Module“| ERP-Modul | Was es verwaltet |
|---|---|
| Rechnungswesen & Finanzen | Budgetierung, Rechnungsstellung, Kreditoren/Debitoren, Ausgabenanalyse |
| HR & Personalplanung | Urlaubsverwaltung, Gehaltsabrechnung, Überstundenberechnung, Einstellungsplanung |
| Projektmanagement | Aktivitätsverfolgung, Kostenüberwachung, Stakeholder-Sichtbarkeit |
| Beschaffung | Lieferantenregistrierung, Lieferplanung, Bestellgenerierung, Zahlungsverknüpfung |
| Materialwirtschaft | Bestandsverfolgung, BOM-Verwaltung, Bestandsabstimmung |
| Anlagenverwaltung | Anlagenstandort, Nutzungsverfolgung, Wartungsplanung |
| Produktion / Betrieb | Produktionsplanung, Kapazitätsplanung, MRP-Outputs |
| Vertrieb & Distribution | Auftragsverwaltung, Versandverfolgung, Kundenrechnungsstellung |
7. ERP-Anwendungsfälle — Wie Module verbunden sind
Abschnitt betitelt „7. ERP-Anwendungsfälle — Wie Module verbunden sind“Anwendungsfall 1 — Beratungsunternehmen
Abschnitt betitelt „Anwendungsfall 1 — Beratungsunternehmen“ERP verbindet: Projektpipeline → Berater-Kompetenzen → Kapazitätsplanung → Einstellungsbedarf → protokollierte Beraterstunden → Kundenrechnungsstellung → Gehälter + Überstundenlohn. Befreit Berater von administrativen Aufgaben.
Anwendungsfall 2 — Beschaffung / Lieferantenmanagement
Abschnitt betitelt „Anwendungsfall 2 — Beschaffung / Lieferantenmanagement“Lieferant in ERP registriert → erhält Lieferplan direkt über System → protokolliert Versanddaten → Unternehmen erhält Bestätigung → WE-Schein im ERP gespeichert → löst Kreditorenbuchhaltung aus → Rechnung wird lieferantenseitig erstellt → Ausgabenanalyse ermöglicht.
8. ERP in der SCM — Vorteile & Herausforderungen
Abschnitt betitelt „8. ERP in der SCM — Vorteile & Herausforderungen“| ✅ Vorteile | ❌ Herausforderungen im SC-Kontext |
|---|---|
| Verbindet mehrere Entitäten auf einer digitalen Plattform | Onboarding aller SC-Partner ist schwierig — unterschiedliche Größen, ERP-Systeme, digitale Reife |
| Reduziert den Bedarf an häufigen persönlichen Interaktionen | Kleine Lieferanten haben möglicherweise kein ERP — können es sich nicht leisten |
| Schafft transparente, nachvollziehbare Geschäftstransaktionen | Prozess-Software-Fit-Problem: Montage ≠ Lagerhaltung — gleiches ERP passt möglicherweise nicht |
| Ermöglicht langfristige Planung statt täglichem Feuerlöschen | Lieferant mit mehreren Kunden: Onboarding auf 3+ verschiedene ERP-Systeme sehr kostspielig |
| Automatisiert repetitive Aufgaben; unterstützt Audit-Trails | ERP in SC selten vollständig durchgängig — Lücken zwischen Partnern bleiben |
Workarounds für SC-ERP-Lücken
Abschnitt betitelt „Workarounds für SC-ERP-Lücken“- Lieferantenmanagement-Investitionen: kleinen Lieferanten helfen, grundlegende digitale Werkzeuge einzusetzen.
- Modulspezifische Einführung: ERP nur für Prozessuntermengen implementieren, wo es gut integriert.
- Entkoppelte Module: ein ERP für bestimmte Partner; separates Modul für andere.
Zusammenfassung der Session
Abschnitt betitelt „Zusammenfassung der Session“- 5 ERP-Bedürfnisse: Planung, Ausführung, Automatisierung, Überwachung, Kontrolle — jedes eliminiert eine andere Ineffizienz.
- ERP-Definition: Softwaresystem, das Geschäftsprozesse im gesamten Unternehmen über transaktionale Daten verbindet.
- MRP → ERP: MRP ist eng (Produktion/Fertigung). ERP erstreckt sich auf alle Geschäftsfunktionen.
- ERP-Module: Rechnungswesen, HR, Projektmanagement, Beschaffung, Materialwirtschaft, Anlagen, Produktion, Vertrieb.
- ERP-Typen: Standardsoftware (SAP, Oracle, Tally), In-house oder Cloud-basiert — angetrieben durch Bedarf, nicht Trend.
- SC-Herausforderungen: Partner-Onboarding, Prozess-Software-Fit, Lieferant mit mehreren Kunden → ERP selten vollständig durchgängig in SC.