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Woche 5 | Session 1: News Vendor Problem — Probabilistische Nachfrage

Kurs: Supply Chain Digitalisierung — Modul 2: Digital Business in der SC



Deterministisch vs. Probabilistisch — Was hat sich geändert?

Abschnitt betitelt „Deterministisch vs. Probabilistisch — Was hat sich geändert?“
  • Die Nachfrage D ist vor der Bestellung mit Sicherheit bekannt
  • Zwei Arten: (1) D ist eine bekannte Konstante | (2) D ist eine bekannte Funktion einer anderen Variablen (z.B. Preis)
  • Dominante NV-Strategie: Bestelle immer S* = D — sicher, keine Unsicherheit
  • D ist nicht mit Sicherheit bekannt — es ist nur eine Wahrscheinlichkeitsverteilung möglicher Nachfrageniveaus bekannt
  • Der NV muss die Bestellung aufgeben, BEVOR die Nachfrage realisiert wird — die Entscheidung fällt unter Unsicherheit
  • Risiko zweier Fehler: Überbestand (S > D) → unverkaufte Einheiten, Beschaffungskosten verschwendet | Unterbestand (S < D) → entgangene Verkäufe
  • S* = D ist nicht mehr garantiert optimal — muss Überbestandskosten vs. Unterbestandskosten abwägen

Probabilistische Nachfrageverteilung — Dieses Beispiel

Abschnitt betitelt „Probabilistische Nachfrageverteilung — Dieses Beispiel“

Typ: Diskrete Wahrscheinlichkeitsverteilung — 5 mögliche Nachfrageniveaus Diskret: In einer bestimmten Periode kann nur ein Szenario eintreten. Die Szenarien schließen sich gegenseitig aus. Alternative: Kontinuierliche Verteilungen (z.B. Normal-, Poissonverteilung) — gleiche Logik gilt, komplexere Mathematik

S#Nachfrageniveau (D)Wahrscheinlichkeit P(D)Interpretation
110.000 Einheiten20%Szenario mit geringer Nachfrage — 1 zu 5 Chance
220.000 Einheiten15%Unterdurchschnittliche Nachfrage
330.000 Einheiten10%Moderate Nachfrage — unwahrscheinlichstes Szenario
440.000 Einheiten25%Überdurchschnittliche Nachfrage — ziemlich wahrscheinlich
550.000 Einheiten30%Hohe Nachfrage — wahrscheinlichstes Szenario
Gesamt100%Diskrete Verteilung — genau ein Szenario tritt pro Periode ein
  • Hinweis: Wahrscheinlichkeiten summieren sich auf 100% → gültige Verteilung ✓
  • Wahrscheinlichstes Ergebnis: D = 50.000 (30% Chance) → aber NV kann nicht garantieren, dass dies eintritt
  • Unwahrscheinlichstes: D = 30.000 (10% Chance)

Das Entscheidungsproblem — Was sollte der NV bestellen?

Abschnitt betitelt „Das Entscheidungsproblem — Was sollte der NV bestellen?“
  • NV-Ziel: Gewinnmaximierung
  • Angenommener NV-Typ: Risikoneutraler rationaler Akteur → maximiert den erwarteten (durchschnittlichen) Gewinn, nicht den Worst-Case oder Best-Case
  • Was der NV im Voraus weiß: Die Wahrscheinlichkeitsverteilung von D — NICHT das tatsächliche realisierte D
  • Entscheidungswerkzeug: Erwartungswert der Auszahlungen = Summe von (Wahrscheinlichkeit × Gewinn) über alle Nachfrageszenarien
  • Formel: E[Gewinn | S] = Σ P(Dᵢ) × π(S, Dᵢ) für alle Nachfrageszenarien i

Schritt 1 — Verkaufsmatrix: Verkaufte Einheiten = min(D, S)

Abschnitt betitelt „Schritt 1 — Verkaufsmatrix: Verkaufte Einheiten = min(D, S)“

Regel: Verkaufte Einheiten = min(Nachfrage D, Bestellung S) — immer die kleinere der beiden

  • Wenn S > D: Überschüssiger Bestand bleibt unverkauft → D bestimmt die Verkäufe (nachfragebegrenzt)
  • Wenn S < D: Bestand ist erschöpft, bevor die gesamte Nachfrage gedeckt ist → S bestimmt die Verkäufe (angebotsbegrenzt)
  • Wenn S = D: perfekte Übereinstimmung → gesamte Nachfrage gedeckt, kein Restbestand (diagonale Zellen unten)
Bestellmenge (S) →
Nachfrage (D) ↓
S=10KS=20KS=30KS=40KS=50KMuster
D=10.00010K10K10K10K10KD deckelt Verkäufe
D=20.00010K20K20K20K20KD deckelt Verkäufe
D=30.00010K20K30K30K30KD deckelt Verkäufe
D=40.00010K20K30K40K40KD deckelt Verkäufe
D=50.00010K20K30K40K50KS deckelt Verkäufe
  • Hervorgehobene Diagonale (S = D): maximal mögliche Verkäufe für dieses Nachfrageniveau
  • Unterhalb der Diagonale (D > S): angebotsbegrenzt, Verkäufe = S (entgangene Verkäufe treten auf)
  • Oberhalb der Diagonale (D < S): nachfragebegrenzt, Verkäufe = D (unverkaufter Bestand tritt auf)

Formel: NV-Gewinn = min(D, S) × ₹20 − S × ₹10

  • ₹20 = Nettomarge pro verkaufter Einheit (Einzelhandel ₹30 − Vertrieb ₹10)
  • S × ₹10 = Gesamtbeschaffungskosten, die an den Lieferanten gezahlt werden (unabhängig davon, wie viele verkauft werden)
ParameterWert
Marktpreis (P) (Rs./Einheit)30
Vertriebskosten (Rs./Einheit)10
Großhandelspreis (W) (Rs./Einheit)10
Fertigungs- & Betriebskosten des Lieferanten (Rs./Einheit)5
Fixkosten für Lieferanten (Rs.)150000
Bestellmenge (S) →
Nachfrage (D) ↓
S=10KS=20KS=30KS=40KS=50KLogik
D=10.000+₹1L₹0−₹1L−₹2L−₹3LS > D → Verlust wächst
D=20.000+₹1L+₹2L+₹1L₹0−₹1LHöhepunkt bei S=D
D=30.000+₹1L+₹2L+₹3L+₹2L+₹1LHöhepunkt bei S=D
D=40.000+₹1L+₹2L+₹3L+₹4L+₹3LHöhepunkt bei S=D
D=50.000+₹1L+₹2L+₹3L+₹4L+₹5LHöhepunkt bei S=D
  • Diagonale (S = D): Immer der höchste Gewinn für jede Zeile (jedes Nachfrageniveau) — bestätigt die deterministische Regel
  • Bewegung nach rechts von der Diagonale (S > D): Gewinn fällt — jede zusätzliche Einheit, die gekauft, aber nicht verkauft wird, kostet ₹10 ohne Umsatz
  • Bewegung nach links von der Diagonale (S < D): Gewinn fällt ebenfalls — entgangene Verkäufe von je ₹20, die hätten erzielt werden können
  • S = 10K Zeile: Immer +₹1L unabhängig von der Nachfrage — sicher, lässt aber Geld auf dem Tisch, wenn D hoch ist
  • S = 40K wenn D = 10K: −₹2L → die Bestellung des 4-fachen der Nachfrage, wenn die Nachfrage nur 10K Einheiten beträgt = große verschwenderische Beschaffung

Schritt 3 — Erwartete Gewinnberechnung (Risikoneutraler NV)

Abschnitt betitelt „Schritt 3 — Erwartete Gewinnberechnung (Risikoneutraler NV)“

Berechne für jede Bestellmenge S: E[Gewinn | S] = Σ P(Dᵢ) × NV Gewinn(S, Dᵢ) Excel-Methode: SUMMENPRODUKT von Wahrscheinlichkeitsvektor und Gewinnspalte für diese Bestellmenge

Bestellmenge (S)P=20% D=10KP=15% D=20KP=10% D=30KP=25% D=40KP=30% D=50KE[Gewinn] (₹)NV wählt?
S = 10.000+₹1L+₹1L+₹1L+₹1L+₹1L₹1.00.000Nein
S = 20.000₹0+₹2L+₹2L+₹2L+₹2L₹1.60.000Nein
S = 30.000−₹1L+₹1L+₹3L+₹3L+₹3L₹1.90.000Nein
S = 40.000 ★−₹2L₹0+₹2L+₹4L+₹4L₹2.00.000 ★JA ✓
S = 50.000−₹3L−₹1L+₹1L+₹3L+₹5L₹1.50.000Nein
  • E[Gewinn | S = 10.000]: Gleicher Gewinn (+₹1L) über alle Nachfrageniveaus → E[Gewinn] = 20%×1L + 15%×1L + 10%×1L + 25%×1L + 30%×1L = ₹1.00.000. Sichere Wahl, verpasst aber das Aufwärtspotenzial bei hoher Nachfrage.
  • E[Gewinn | S = 20.000]: ₹0 bei D=10K (kein Gewinn kein Verlust) | +₹2L für D ≥ 20K. E[Gewinn] = 20%×0 + (15%+10%+25%+30%)×2L = 0,8 × 2.00.000 = ₹1.60.000
  • E[Gewinn | S = 40.000] — OPTIMAL ★: Gewinne: D=10K → −₹2L | D=20K → ₹0 | D=30K → +₹2L | D=40K → +₹4L | D=50K → +₹4L. E[Gewinn] = 20%×(−2L) + 15%×0 + 10%×2L + 25%×4L + 30%×4L = −40.000 + 0 + 20.000 + 1.00.000 + 1.20.000 = ₹2.00.000 ← am höchsten ✓

  • Optimale NV-Bestellung: S* = 40.000 Einheiten → E[Gewinn] = ₹2.00.000
  • Wichtig: S* = 40.000 ≠ irgendein spezifisches Nachfrageniveau. Es ist NICHT einfach “Anpassung an D”
  • Der NV ist bereit, das Risiko einzugehen, 40K zu bestellen, auch wenn es manchmal zu Verlusten führt (wenn D = 10K) — weil der Erwartungswert über alle Szenarien bei S = 40K am höchsten ist
  • Eine Bestellung von S = 50K reduziert E[Gewinn] wieder auf ₹1.50.000 — die Strafe für Überbestand überwiegt das Aufwärtspotenzial bei hoher Nachfrage

Warum S > erwartete Nachfrage?* Szenarien mit hoher Nachfrage (D=40K, 30%; D=50K, 25%) sind wahrscheinlich genug, dass der Vorteil des zusätzlichen Bestands den Nachteil des Überbestands im Fall von geringer Nachfrage überwiegt. Tradeoff im Kern des NVP: Überbestandskosten (Kosten für zu viel Bestellen) vs. Unterbestandskosten (Kosten für zu wenig Bestellen)


Deterministisch vs. Probabilistisch — Seite an Seite

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AspektDeterministischProbabilistisch
NachfragewissenVor der Bestellung genau bekanntNur als Wahrscheinlichkeitsverteilung bekannt
NV-EntscheidungsregelS* = D (Nachfrage immer anpassen)S* = arg max E[Gewinn | S]
RisikoKeines — D ist sicherVerlust durch Überbestand ODER entgangene Verkäufe — nicht vermeidbar
S vs. Nachfrage*S* = D (exakte Übereinstimmung)S* kann von jedem spezifischen D abweichen (hier: S*=40K, kein D=40K sicher)
Erwarteter NV-GewinnGenauer Gewinn im Voraus bekannt₹2.00.000 (erwartet, nicht garantiert)
SC-Konflikt?Ja — wenn D < RS-Breakeven (30K)Wird in der nächsten Session analysiert

  • Nächste Session: Analyse der Lieferantenauszahlung unter probabilistischem Umfeld — macht S*=40K den RS profitabel?
  • Danach: Verträge als Koordinationsinstrument — einfache Verträge + beliebte Verträge (z.B. Buyback, Revenue Sharing)
  • Abschließend: Wie die Plattformökonomie die Koordination erleichtert — die Brücke vom NVP zur realen SC-Digitalisierung

  • Probabilistisches NVP: D ist ungewiss — der NV kennt nur die Wahrscheinlichkeitsverteilung, nicht das tatsächliche D
  • Nachfrageverteilung: 5 diskrete Szenarien: 10K(20%), 20K(15%), 30K(10%), 40K(25%), 50K(30%)
  • Verkaufsregel: Verkaufte Einheiten = min(D, S) — immer
  • NV-Gewinn pro Zelle: min(D,S) × ₹20 − S × ₹10
  • Entscheidungsrahmen: Risikoneutraler NV maximiert E[Gewinn | S] = Σ P(Dᵢ) × Gewinn(S, Dᵢ)
  • Ergebnis: S* = 40.000 Einheiten → E[Gewinn] = ₹2.00.000 (höchster Wert unter allen Optionen)
  • Kernerkenntnis: S* ≠ D im probabilistischen Umfeld. Bestimmt durch das Abwägen von Überbestands- vs. Unterbestandskosten über alle Szenarien hinweg.