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Woche 5 | Session 3: Kanalstrukturen — Brick & Mortar Modell

Kurs: Supply Chain Digitalisierung — Modul 2: Digital Business in der SC



Diese Serie: Verbindet Konzepte der Plattformökonomie mit konkreten SC-Kanalmodellen. Vier Modelle: Brick & Mortar | Dual Channel | Multi-Channel | Omni-Channel Warum jetzt? Plattformökonomie + Digitalisierung + technologischer Fortschritt in Informationsverarbeitung, Finanztransaktionen und Beziehungsmanagement haben verändert, wie SC-Kanäle funktionieren. Diese Session: Brick & Mortar — das traditionelle Basismodell, mit dem alle anderen verglichen werden.


  • Fluss: Hersteller → Distributor → Einzelhändler → Kunde (Material fließt vorwärts)
  • Retouren auch möglich: Kunde retourniert an Einzelhändler | Einzelhändler retourniert unverkäufliche Ware an Distributor | Distributor retourniert an Hersteller
  • Fokus dieser Session: Die letzte Meile — die Schnittstelle Einzelhändler ↔ Kunde
  • Definition letzte Meile: Der letzte Abschnitt der SC, auf dem das Produkt den Endkunden erreicht — für den Konsumenten der sichtbarste Teil der SC
  • Zentrale Frage: Wie werden Verkauf und Lieferung auf der letzten Meile ermöglicht?

  • Kernkonzept: Der Kunde reist physisch zum Standort des Verkäufers/Einzelhändlers, um das Produkt anzusehen, zu bewerten und zu kaufen.
  • Nicht nur Einzelhandel: B&M gilt auf jeder SC-Ebene, auf der eine Partei zum Standort einer anderen reist, um vor dem Kauf Bewertungen und Gespräche durchzuführen.
  • Am häufigsten im: B2C (Business-to-Customer) — gilt theoretisch aber auch im B2B an jeder SC-Schnittstelle.
  • Abgedeckte traditionelle Geschäfte: Kirana-Stores | Kaufhäuser | Malls | Service-Stellen (Banken, Impfzentren, Showrooms)
  • Wichtiger Unterschied zum E-Commerce: Beim B&M kommt der Kunde zum Produkt. Im E-Commerce kommt das Produkt zum Kunden.

Was in einem Brick & Mortar-Geschäft passiert — Kundenerlebnis

Abschnitt betitelt „Was in einem Brick & Mortar-Geschäft passiert — Kundenerlebnis“
DimensionWas der Kunde tutBeispiel
ProdukterlebnisSieht, berührt und probiert das Produkt vor dem Kauf physisch ausGetreidequalität im Kirana prüfen | Kleidung in der Umkleide anprobieren | Stofftextur fühlen
VerhandlungBespricht Menge, Preis, Rabatt, Lieferbedingungen mit dem PersonalTreuer Kunde bittet um 10% Rabatt | Lieferung eines Kühlschranks nach Hause aushandeln
After-Sales-SupportRetourniert Produkt, reicht Beschwerde ein, erhält Ersatz/Rückerstattung am selben KontaktpunktDefekten Artikel im Kirana zurückgeben | Garantieanspruch im Elektronikmarkt
Echtzeit-FeedbackGibt sofortiges Produktfeedback an das Personal, ohne überhaupt zu kaufen”Dieser Preis ist zu hoch” | “Dieser Schuh ist unbequem” | “Ich habe das in der Nähe billiger gesehen”
Cross-Selling-ChanceKunde bemerkt andere Produkte; Händler kann Zusatzverkäufe anbietenGeht für Kleidung hinein, entdeckt Kinderkleidung für bevorstehendes Fest und kauft diese ebenfalls
Soziales ErlebnisEinkaufen mit Freunden/Familie; Kombination mit Essen oder anderen ErledigungenMall-Besuch + Restaurantbesuch | Lebensmitteleinkauf auf dem Rückweg von der Arbeit

Kernpunkt — Warum das Erlebnis im Geschäft wichtig ist

Abschnitt betitelt „Kernpunkt — Warum das Erlebnis im Geschäft wichtig ist“
  • Informierter Kauf: Kunde bewertet das Produkt selbst → reduziert Kaufreue und Retouren
  • Menschliche Interaktion: Echtzeit-Verhandlung, persönliche Beratung und Vertrauensaufbau — digital schwer zu replizieren
  • Marktintelligenz: Feedback während des Stöberns (ohne Kauf) ist für Einzelhändler und Hersteller sehr wertvoll
  • Schaffung von Loyalität: Großartiges persönliches Erlebnis → emotionale Erinnerung → wiederkehrender Kunde → langfristige Loyalität (z.B. Ein Restauranterlebnis mit tollem Essen + Ambiente + Service → Kunde kehrt zurück und empfiehlt es weiter)

B&M ist nicht nur Einzelhandel — Es gilt über alle SC-Ebenen hinweg

Abschnitt betitelt „B&M ist nicht nur Einzelhandel — Es gilt über alle SC-Ebenen hinweg“
SC-SchnittstelleKanaltypWer besucht wenWas passiert
Einzelhändler → KundeB2CKunde besucht EinzelhandelsgeschäftKunde sieht/probiert Produkt, verhandelt, kauft, erhält After-Sales-Support. Sichtbarstes B&M-Szenario.
Distributor → EinzelhändlerB2BEinzelhändler besucht Einrichtung des DistributorsEinzelhändler sieht sich Bestand an, inspiziert Lagerbedingungen, verhandelt Mengenrabatte und Lieferpläne.
Hersteller → DistributorB2BDistributor/Einzelhändler besucht HerstellerBespricht Produktspezifikationen, Produktionskapazität, Anpassungen. Verhandelt Preise und Lieferbedingungen für große Mengen.
Lieferant → HerstellerB2BHersteller besucht Einrichtung des LieferantenInspiziert Rohstoffqualität, versteht Lieferfähigkeit, verhandelt Komponentenlieferung, plant Beschaffung.
  • B2C (am sichtbarsten): Endkunde besucht den Einzelhändler — direkte Erfahrung mit dem Produkt
  • B2B Upstream: Einzelhändler inspiziert Distributorenbestand | Distributor besucht Hersteller | Hersteller auditiert Lieferantenanlage
  • Hauptunterschied auf jeder Ebene: Der “Kunde” ändert sich (Endverbraucher vs. Zwischenkäufer), aber die Kernaktivität — physischer Besuch und Bewertung vor dem Kauf — bleibt gleich

Geschäftstypen — Organisierter vs. Unorganisierter Einzelhandel

Abschnitt betitelt „Geschäftstypen — Organisierter vs. Unorganisierter Einzelhandel“
  • Definition: Kleine, unabhängig geführte Geschäfte mit wenig Personal — typischerweise 1–3 Personen
  • Beispiele: Kirana-Stores | Straßenverkäufer | Pop-up-Stände | Lokale Schneider
  • Eine Person übernimmt oft mehrere Rollen: Eigentümer, Verkäufer, Kassierer, Lagermanager
  • Produktsortiment kann breit sein, aber Präsentation ist einfach; Verhandlung ist informell
  • Definition: Größere Einzelhandelsketten, Kaufhäuser, Malls — strukturierte Abläufe mit dedizierten Abteilungen
  • Beispiele: Shopping-Malls | Markenbekleidungsgeschäfte | Große Supermärkte | Bankfilialen
  • Dediziertes Personal pro Abteilung; besseres Ambiente, Beleuchtung, Präsentation
  • Kunde hat die Freiheit, durch Selbstbedienungsbereiche zu stöbern; separate Kassen
  • Zusätzliche Dienstleistungen: Parkplätze, Umkleidekabinen, Lieferung nach Hause, Treueprogramme

Kernerkenntnis: Beide Typen sind B&M — das Kernkonzept ist dasselbe. Skalierung, Erlebnisqualität und Kostenstruktur unterscheiden sich.


Vorteile von Brick & MortarHerausforderungen von Brick & Mortar
Physisches Produkterlebnis → informierte KaufentscheidungKunde muss reisen → Aufwand + Zeitkosten schrecken von Besuchen ab
Einzelhändler = dedizierter Kontaktpunkt für Beschwerden, Retouren, After-SalesWartezeit im Geschäft zum Stöbern, Probieren, Bezahlen
Echtzeit-Marktfeedback direkt vom Kunden am Point of Sale erfasstHändler muss stark in Raum, Layout, Beleuchtung, Kassen, Parkplätze investieren
Cross-Selling und Upselling mit geschultem Personal möglichHohe Personalkosten: Verkäufer, Kassierer, Sicherheit, Manager, Materialabfertiger
Starke Kundenloyalität durch tolles persönliches Erlebnis aufgebautBegrenzte geografische Reichweite — Geschäft kann nur Kunden in der Nähe bedienen
Menschliche Interaktion bietet Vertrauen + personalisierten ServiceSkalierung erfordert neue Geschäfte ODER Erweiterung bestehender — fügt Fixkosten hinzu
Fungiert als physische Markenpräsenz im MarktBei geringer Nachfrage → Geschäft ist unterausgelastet → Kosten nicht gerechtfertigt

Kostenbelastung des Einzelhändlers — Warum die Skalierung von B&M schwer ist

Abschnitt betitelt „Kostenbelastung des Einzelhändlers — Warum die Skalierung von B&M schwer ist“
  • Fixkosten: Geschäftsraum (Miete/Kauf) | Layout und Einrichtungen | Beleuchtung und Ambiente | Kasseninfrastruktur | Parkplätze
  • Variable Kosten: Verkäufer | Kassierer | Sicherheit | Materialabfertiger | Filialleiter
  • Skalierbarkeitsproblem: Jedes neue Geschäft = erneut volle Fix- + variable Kosten. Kann nicht billig skaliert werden wie eine digitale Plattform.
  • Auslastungsrisiko: Wenn die Nachfrage gering ist → Geschäft steht leer → hohe Kosten pro verkaufter Einheit → Geschäft wird unrentabel
  • SC-Planungsherausforderung: Einzelhändler muss ständig entscheiden: Filialen hinzufügen | bestehende erweitern | verlegen | schließen → jede Entscheidung wirkt sich upstream in der SC aus
  • Ein einzelnes B&M-Geschäft: Kann realistischerweise nur Kunden innerhalb eines begrenzten Einzugsgebiets bedienen (Entfernungs- / Zeitbeschränkung)
  • Kundenseite: Wenn das Geschäft weit weg ist → Kunde macht sich vielleicht nicht die Mühe → entgangene Verkäufe
  • Händlerseite: Muss Standorte sorgfältig auswählen — falscher Standort = wenig Laufkundschaft = ungenutzter Raum
  • SC-Seite: Die Reichweite der Supply Chain zu Endkunden ist fundamental durch die Dichte und Lage der B&M-Geschäfte begrenzt
  • Plattformökonomie-Erkenntnis: E-Commerce beseitigt diese geografische Einschränkung vollständig → unendliche Reichweite bei nahezu null inkrementellen Kosten pro neuem Kunden
  • Das persönliche Erlebnis schafft emotionale Erinnerungen: Produktqualität + Servicequalität + Ambiente + Personalisierung → starke Markenerinnerung
  • Loyalitätsdimensionen: Wiederholte Besuche | Mundpropaganda | Bereitschaft, Aufschlag zu zahlen | Toleranz für gelegentliche Fehler
  • Digitale Kanäle tun sich hier schwer: Die Tiefe persönlicher Beziehungen lässt sich online schwer replizieren — dies ist der nachhaltige Vorteil von B&M.

Disruption durch Plattformökonomie — Was als Nächstes kommt

Abschnitt betitelt „Disruption durch Plattformökonomie — Was als Nächstes kommt“

Die Plattformökonomie hat den stationären Handel auf mehrere Arten grundlegend gestört:

  1. Kunden können Produkte online ansehen und vergleichen, ohne ein Geschäft zu besuchen → reduziert Laufkundschaft
  2. E-Commerce liefert an die Tür → beseitigt Reiseaufwand vollständig
  3. Online-Plattformen aggregieren Verkäufer → Kunde hat weitaus mehr Auswahl, als ein einzelnes B&M-Geschäft bieten kann
  4. Digitale Zahlungen → eliminieren den Bedarf, eine Bank oder Kasse zu besuchen

Aber B&M ist nicht tot: Physisches Erlebnis, Vertrauen und Loyalität bleiben die Kernstärken von B&M. Ergebnis: Neue hybride Kanalmodelle sind entstanden → Dual Channel, Multi-Channel, Omni-Channel. Nächste Sessions: Wie diese Modelle funktionieren und wie sie B&M-Stärken mit den Vorteilen digitaler Plattformen verbinden.


  • Brick & Mortar: Kunde reist physisch zum Standort des Verkäufers → sieht sich Produkt an → verhandelt → kauft
  • Gilt auf: Allen SC-Ebenen (B2C und B2B) — nicht nur im Einzelhandel
  • Letzte Meile: Schnittstelle Einzelhändler-Kunde — Schwerpunkt der B&M-Diskussion
  • 6 Dimensionen des B&M-Erlebnisses: Produkterlebnis | Verhandlung | After-Sales | Echtzeit-Feedback | Cross-Selling | Soziales Erlebnis
  • Geschäftstypen: Unorganisiert (Kirana, Pop-up) vs. Organisiert (Malls, Kaufhäuser, Ketten)
  • Hauptvorteile: Physisches Ausprobieren | Dedizierter Kontaktpunkt | Echtzeit-Feedback | Cross-Sell-Chance | Kundenloyalität
  • Hauptherausforderungen: Reiseaufwand | Zeitkosten | Hohe Fix- + variable Kosten für Händler | Begrenzte geografische Reichweite | Skalierungsschwierigkeiten
  • Plattformökonomie: Stört B&M durch Beseitigung von Reiseaufwand + Reichweitenerhöhung → erzwingt Evolution zu Dual/Multi/Omni-Channel-Modellen
  • Nächste Sessions: Dual Channel → Multi-Channel → Omni-Channel