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Woche 4 | Sitzung 1: Plattformökonomie — Traditionelle SC-Herausforderungen

Kurs: Supply-Chain-Digitalisierung — Modul 3: Digitales Geschäft in der SC



GrundBeschreibung
StandortvorteilZwischenhändler sind näher am Markt positioniert — senken die Kosten für die letzte Meile für den Hersteller
ProduktbündelungFähigkeit, Produkte von mehreren Verkäufern an einem einzigen zugänglichen Punkt zu bündeln
MarktverteilungFähigkeit, an viele Käufer über Regionen hinweg zu liefern, die der Hersteller nicht direkt erreichen kann

Verkäufer 1 (Hersteller)Zwischenhändler / Verkäufer 2Endkunde


Verkäufer 1Zwischenhändler 1 (= Verkäufer 2) UND Zwischenhändler 2 (= Verkäufer 3)Gleicher Endkunde

  • Sowohl Verkäufer 2 als auch Verkäufer 3 beziehen von Verkäufer 1 und konkurrieren um denselben Endkunden
  • Die Kette kann sich weiter verlängern — der Endkunde kann selbst ein Hersteller sein, der weiter verkauft

Jeder Akteur in der Lieferkette steht vor zwei simultanen Problemen — einem Suchproblem (den richtigen Gegenparte finden) und einem Auswahlproblem (die beste Option aus den gefundenen wählen).

AkteurRolleSuchproblemAuswahlproblem
Verkäufer 1 (Hersteller)Reiner VerkäuferWer sind die Käufer und verfügbaren Kanäle? Wo ist der Endkunde?Welche Kanäle nutzen? Direktlieferung oder über Zwischenhändler? Welchen Preis zahlt der Endkunde?
Zwischenhändler (Verkäufer 2 & 3)Käufer + Verkäufer (Doppelrolle)Als Käufer: Gibt es bessere oder günstigere Verkäufer als Verkäufer 1? Bessere Kredit- oder Zahlungsbedingungen? Als Verkäufer: Wer sind die Endkunden? Welcher Preis ist erzielbar?Als Käufer: Von welchem Verkäufer beziehen? Als Verkäufer: Welche Endkunden ansprechen? Wie gegen den anderen Zwischenhändler konkurrieren?
EndkundeReiner KäuferWo ist das Produkt erhältlich? Wer verkauft es in der Nähe? Welche Eigenschaften und welcher Preis?Bei welchem Verkäufer kaufen? Lohnt es sich, zu Verkäufer 3 zu fahren für einen günstigeren Preis? Entscheidung mit begrenzten Informationen.

Der Kunde möchte ein bestimmtes Produkt oder eine Marke — er interessiert sich nicht für die dahinterliegende Zwischenhändlerstruktur. Für eine gute Kaufentscheidung braucht er jedoch:

  • Standort aller Verkäufer
  • Produkteigenschaften und Qualitätsvergleich
  • Preis bei jedem Verkäufer

Verkäufer 1 (Hersteller) — Kanal- und Marktsuche

Abschnitt betitelt „Verkäufer 1 (Hersteller) — Kanal- und Marktsuche“

Verkäufer 1 möchte maximale Reichweite und so viele Kunden wie möglich erreichen. Verfügbare Kanaloptionen:

  • Nur über Käufer 1 (Verkäufer 2)
  • Nur über Käufer 2 (Verkäufer 3)
  • Über beide Zwischenhändler gleichzeitig
  • Direkt an den Endkunden — erfordert jedoch die Übernahme von Logistik- und Lagerkosten

Muss eigenständig recherchieren:

  • Wo sich der Endkunde befindet
  • Welchen Preis der Endkunde bereit ist zu zahlen
  • Welcher Kanal nach Kosten die beste Nettomarge liefert

Zwischenhändler stehen gleichzeitig vor dem Suchproblem auf der Einkaufsseite (wie ein Endkunde) und dem Kanalproblem auf der Verkaufsseite (wie Verkäufer 1).

Als Käufer (von Verkäufer 1) — Upstream-Suche:

FrageDetail
Ist Verkäufer 1 die beste Quelle?Gibt es andere Verkäufer mit besserem Preis, besseren Zahlungsbedingungen oder längerer Kreditlaufzeit?
Gibt es eine bessere Qualitätsoption?Bieten alternative Quellen leichter lagerfähige oder handelbare Verpackungsformate?

Als Verkäufer (an Endkunden) — Downstream-Suche:

FrageDetail
Welche Endkunden ansprechen?In welchen Märkten und Regionen?
Welcher Preis ist erzielbar?Welche Marge ist realistisch angesichts des Wettbewerbs vom anderen Zwischenhändler?
Wie konkurrieren?Verkäufer 2 und Verkäufer 3 beziehen vom gleichen Lieferanten, konkurrieren aber um denselben Endkunden — jeder muss die Preise und Marktreichweite des anderen aktiv beobachten

  • Produkt bewegt sich: Verkäufer 1 → Zwischenhändler → Endkunde
  • Kann mehrere Wege nehmen: über Käufer 1, über Käufer 2 oder direkt vom Hersteller
  • Bereits komplex in einer 4-Akteur-Kette; Komplexität steigt mit jeder zusätzlichen Ebene

Geld fließt in die entgegengesetzte Richtung zum Produkt:

ZahlungswegRichtung
Endkunde → Verkäufer 2Kunde zahlt seinen gewählten Zwischenhändler
Endkunde → Verkäufer 3Bei Kauf vom konkurrierenden Zwischenhändler
Verkäufer 2 → Verkäufer 1Verkäufer 2 zahlt den Hersteller
Verkäufer 3 → Verkäufer 1Verkäufer 3 zahlt den Hersteller

UrsacheBeschreibung
Viele AkteureJeder Akteur hat eigene Ziele, Informationen und Entscheidungslogik
Viele TransaktionenÜber mehrere Wege und Kanäle gleichzeitig
Viele WegeMaterial und Geld können über verschiedene Routen fließen — schwer zu verfolgen oder zu prüfen
Geringe TransparenzPreise, Produktinformationen, Akteure und Zahlungswege sind nicht für alle Parteien sichtbar
Unabhängige EntscheidungenJeder Akteur entscheidet isoliert ohne Koordination → kollektive Suboptimalität in der gesamten Kette
InformationsasymmetrieWer mehr Informationen hat, kann andere ausnutzen — z. B. Händler, die echte Marktpreise vor Bauern verbergen

  1. Abspracherisiko — Zwischenhändler kooperieren → drücken Herstellerpreise, erhöhen Endkundenpreise → Wertverlust an beiden Enden der Kette
  2. Marktversagen — Endkunden erhalten unzureichende Informationen → kaufen bestimmte Produkte nicht mehr → Markt für dieses Produkt schrumpft oder verschwindet
  3. Wertverlust — Wert, der in der SC geschaffen werden könnte, geht durch Ineffizienz und mangelnde Transparenz auf den verschiedenen Ebenen verloren
  4. Suboptimale Entscheidungen — Jeder Akteur trifft die beste Entscheidung, die ihm mit begrenzten Informationen möglich ist — aber dies ist selten die optimale Entscheidung für die gesamte Kette

Diese Sitzung ist die Problemstellung. Die Plattformökonomie ist die Antwort. Sie adressiert direkt:

Traditionelles SC-ProblemLösung durch Plattformökonomie
Suchproblem (Gegenparteien finden)Zentrale Entdeckung — alle Käufer und Verkäufer auf einer Plattform
Auswahlproblem (beste Option wählen)Preistransparenz, Bewertungen und Vergleichsinformationen
Transparenzproblem (undurchsichtige Flüsse)Echtzeit-Verfolgung von Material- und Finanzflüssen
Komplexität des FinanzflussesIntegrierte Zahlungsinfrastruktur — einheitliches Buchungssystem

KonzeptKernaussage
SC-GrundlageKäufer + Lieferanten-Paar → Kette entsteht durch Hinzufügen von Zwischenhändlern
Warum Zwischenhändler existierenStandortvorteil + Produktbündelung + Marktzugang
Jeder Akteur steht vorEinem Suchproblem + einem Auswahlproblem (auf einer oder beiden Seiten der Transaktion)
Schwierigste PositionZwischenhändler — stehen gleichzeitig vor beiden Problemen auf Kauf- und Verkaufsseite
Zwei SC-FlüsseMaterialfluss (vorwärts: Verkäufer → Kunde) + Finanzfluss (rückwärts: Kunde → Verkäufer)
UrsachenViele Akteure, viele Wege, geringe Transparenz, unabhängige Entscheidungen, Informationsasymmetrie
Nächste SitzungPraxisbeispiele aus der Industrie + Plattformökonomie als strukturierte Antwort