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Woche 5 | Session 4: Kanalstrukturen — Dual-Channel-Modell

Kurs: Supply Chain Digitalisierung — Modul 2: Digital Business in der SC



Wie die Plattformökonomie den stationären Handel störte — 4 Beispiele

Abschnitt betitelt „Wie die Plattformökonomie den stationären Handel störte — 4 Beispiele“
BrancheTraditionelles B&M-ModellPlattform-/Digitaler DisruptorArt der Disruption
UnterhaltungKino — Zuschauer reist, schaut im Saal, kauft Essen/GetränkeOTT-Plattformen (Netflix, Prime Video) — Abonnement oder kostenlos, auf jedem Gerät ansehbarKein physischer Raum benötigt. Jederzeit und überall ansehen. Auch Kabel-TV gestört. Inhalte global verfügbar.
GastronomieRestaurant — Kunde besucht, isst vor Ort, erlebt AmbienteCloud Kitchens + Liefer-Apps — Bestellung aus mehreren Küchen, Lieferung an jeden OrtKein Raum zum Essen benötigt. Mehrere Küchenoptionen auf einer Plattform. Lieferung nach Hause, ins Büro oder in den Zug.
Lebensmittel / FMCGModerner Handel / Kirana — Kunde besucht Geschäft, wählt Artikel, zahlt an KasseApp-basierte Bestellung + Lieferung nach Hause (D-Mart, Smart Bazaar, Kirana-Liefer-Apps)Während der Pandemie massiv gewachsen. Sowohl der moderne Handel als auch lokale Kiranas haben Lieferungen übernommen. Abholpunkte hinzugefügt.
BildungPhysisches Klassenzimmer — Lehrer anwesend, Echtzeit-Q&A, persönliches LernenEdTech-Plattformen (NPTEL, Coursera etc.) — Online-Zertifizierungen, globaler Zugang zu DozentenKeine geografische Einschränkung. Lernen von globalen Dozenten. Skalierbar auf beliebig viele Studenten gleichzeitig.
  1. Echtzeitnachfrage: Kunden fordern zunehmend sofortige Dienstleistungen, jederzeit und überall — ermöglicht durch mobile Geräte und digitale Durchdringung über alle Einkommensgruppen hinweg.
  2. Mehrere Kanäle für dasselbe Produkt: Dasselbe Produkt/Dienstleistung kann über 2+ verschiedene Kanäle gleichzeitig verkauft werden.
    • Selber Film: Kino UND OTT
    • Selbes Essen: Restaurantbesuch UND Lieferung durch Cloud Kitchen
    • Selbe Lebensmittel: Ladenbesuch UND Bestellung per App
    • Selber Kurs: Klassenzimmer UND NPTEL/Online
  3. Mit technologischen Entwicklungen: werden auch Geschäftsmodelle gestört.
    • Zentrale Geschäftsfrage: Welcher Kanal ist besser? Oder sollten wir beide nutzen?

Ablauf: Hersteller produziert → verkauft über Online-Plattform → liefert direkt an den Standort des Kunden Beliebt bei: Startups, D2C (Direct-to-Consumer) Marken, Herstellern standardisierter/leicht beschreibbarer Produkte

  • Direkte Kundenbindung: Hersteller interagiert direkt — über Chatbots, Kundenservice, Telefon → versteht Kundenbedürfnisse, Spezifikationen, Präferenzen
  • Nachfragebündelung: Bestellungen aus vielen Regionen werden zusammengefasst → reduziert Variabilität → senkt Lager- und Transportkosten pro Einheit
  • Volle Margenerfassung: Keine Marge für den Einzelhändler → Hersteller behält mehr vom Verkaufspreis
  • Unbegrenzte geografische Reichweite: Jeder Kunde mit Internet + Lieferadresse kann bedient werden — kein physisches Geschäft erforderlich
  • Kundendaten: Hersteller erfasst Kaufhistorie, Surfdaten, Feedback → ermöglicht bessere Produkt- und Nachfrageplanung
  • Kein physisches Produkterlebnis: Kunde kann vor dem Kauf nicht anfassen, probieren oder inspizieren → schwerer zu konvertieren, besonders bei Bekleidung, Möbeln, Schuhen. (Beispiel: Kauf einer 300ml Shampooflasche — schwer, Größe, Textur, Frische ohne Ansehen zu beurteilen)
  • Höhere Werbekosten: Kunden müssen digital überzeugt werden ohne die Hilfe eines persönlichen Verkaufsgesprächs → stärkere Investitionen ins digitale Marketing nötig
  • Lieferverzögerungen: Kunde ist möglicherweise weit vom Hersteller entfernt → lange Vorlaufzeiten. Um Verzögerungen zu reduzieren, sind schnellere/teurere Transportmittel nötig (z.B. Luftfracht + Fahrradlieferung vs. Bahn + LKW)
  • Höhere Lagerkosten: Kein Zwischenbestand (Puffer) → Hersteller muss großen Bestand halten, um die gesamte Nachfrage zu bedienen → hohe Haltekosten
  • Komplexität auf der letzten Meile: Einzelne Lieferungen an verstreute Kunden → hohe Kosten pro Lieferung, insbesondere in verkehrsreichen Metropolen

Kanal 2 — Stationärer Einzelhandel (B&M): Hersteller → Einzelhändler → Kunde

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Ablauf: Hersteller produziert → schickt Ware an Einzelhändler → Kunde besucht Einzelhändler → kauft persönlich Annahme hier: Keine Zwischenlagerung gezeigt (vereinfacht) — Produkt geht direkt vom Hersteller zum Einzelhändler

  • Physisches Produkterlebnis: Kunde sieht, berührt, probiert → höchstes Vertrauen am Point of Purchase → geringere Retouren
  • Geringerer Verkaufsaufwand: Verkaufspersonal des Händlers konvertiert persönlich → höhere Konversionsrate als online → weniger Werbung pro Verkauf nötig
  • Sofortiger Produktzugang: Kunde kann das Produkt am selben Tag mit nach Hause nehmen — keine Wartezeit auf Lieferung
  • Cross-Selling: Einzelhändler kann am Interaktionspunkt Upselling oder Cross-Selling betreiben → größerer Warenkorb
  • Einzelhändler hält Bestand: Fungiert als Pufferbestand nahe am Kunden → Hersteller muss nicht so viele Fertigwaren vorhalten
  • Investitionen des Einzelhändlers: Raum + Layout + Personal + Kassen + Parkplätze → hohe Fixkosten → Einzelhändler schlägt Preis auf (bis zum UVP), um Margen hereinzuholen
  • Risiko der Händlerloyalität: Einzelhändler könnte Konkurrenzmarken bewerben, wenn die Margen besser sind → Hersteller verliert Kontrolle über Kundenakquise
  • Geografische Limitierung: Jedes Geschäft bedient ein begrenztes Einzugsgebiet → Abdeckung weiterer Gebiete = mehr Geschäfte = mehr Investitionen
  • Kundenaufwand: Anreise, Parken, Schlangestehen — besonders mühsam in überfüllten Metropolen → schreckt Kunden vom Kauf ab
  • Skalierungskosten: Jedes neue Geschäft = volle inkrementelle Fix- + variable Kosten. Keine Skaleneffekte wie bei einer digitalen Plattform.

DimensionKanal 1: Online Direct (Hersteller → Kunde)Kanal 2: Stationärer Handel (Hersteller → Einzelhändler → Kunde)
Customer JourneyKunde bleibt zu Hause → bestellt online → Produkt wird geliefertKunde reist zum Händler → sieht Produkt → kauft → nimmt mit oder lässt liefern
ProdukterlebnisKein physisches Erlebnis vor dem Kauf → verlässt sich auf Bilder, Bewertungen, SpezifikationenVolles physisches Erlebnis — anfassen, probieren, persönlich sehen → informierter Kauf
KundenbequemlichkeitSehr hoch — keine Anreise, 24/7 Bestellung, Lieferung an die TürGeringer — Reiseaufwand + Zeit + Schlangestehen erforderlich
KaufgeschwindigkeitSchnelle Bestellung, aber Lieferzeit (typischerweise 1–5 Tage)Kann Produkt bei Verfügbarkeit sofort mitnehmen
NachfragebündelungHersteller kann Nachfrage über Regionen hinweg bündeln → Variabilität reduzieren → Kosten senkenJeder Händler bedient nur lokale Nachfrage → geringerer Bündelungsvorteil
Reichweite des HerstellersDirekte Kundenbeziehung → erfasst Feedback, VerhaltensdatenHändler ist Vermittler → Hersteller ist weniger mit Endkunden verbunden
Werbe- / VerkaufsaufwandHöher — muss Kunden ohne physisches Erlebnis überzeugen. Erfordert starkes digitales Marketing.Geringerer Konversionsaufwand — Verkaufspersonal konvertiert persönlich. Cross-Selling möglich.
TransportkostenHoch — einzelne Lieferungen an jeden Kundenstandort. Beschleunigungskosten bei schneller Lieferung.Massenlieferung an Händler → geringere Transportkosten pro Einheit bis zum Verkaufsort
LagerungHersteller hält mehr Bestand (kein Zwischenpuffer) → höhere LagerkostenHändler hält Bestand nah am Kunden → Hersteller kann in Chargen produzieren
Händlermarge / UVP-KonfliktKein Händler beteiligt → Hersteller erfasst volle MargeHändler schlägt Preis auf (bis UVP). Kann Loyalität für bessere Marge zu Konkurrenzmarken wechseln.
Geografische ReichweiteUnbegrenzt — erreicht jeden Kunden mit Internetverbindung und LiefernetzwerkBegrenzt durch Anzahl und Standort der Einzelhandelsgeschäfte → Skalierung erfordert Investitionen

  • Definition: Eine Vertriebsstrategie, bei der der Hersteller gleichzeitig SOWOHL einen direkten Online-Kanal ALS AUCH einen stationären Einzelhandelskanal nutzt, um denselben Kundenstamm zu erreichen.
  • Struktur:
    • Kanal 1 (Online): Hersteller → Kunde (direkt, mit Lieferung nach Hause)
    • Kanal 2 (B&M): Hersteller → Einzelhändler → Kunde (Kauf im Geschäft)
  • Wahl des Kunden: Kann online kaufen (Bequemlichkeit) ODER den Einzelhändler besuchen (Erlebnis) — Hersteller bietet beides an
  • Rolle des Herstellers: Muss beide Kanäle aktiv steuern und sicherstellen, dass sie sich ergänzen und nicht gegenseitig stören
StrategieelementBedeutungWarum es wichtig ist
NachfrageallokationEntscheiden, welcher Anteil der Nachfrage online vs. über den Einzelhandel läuftVerhindert, dass ein Kanal den anderen kannibalisiert. Maximiert die kombinierte Reichweite.
Produktmix-ZuordnungVerschiedene Produkte oder SKUs basierend auf Eignung unterschiedlichen Kanälen zuordnenManche Produkte passen online (standardisiert, leicht beschreibbar). Andere brauchen B&M (anprobiert, taktil, hochwertig).
Kanal-SpilloverWenn ein Kanal underperformt, Nachfrage auf den anderen umleitenBietet Resilienz. Z.B. wenn Lieferverzögerungen steigen, Kunden dazu drängen, im Geschäft abzuholen.
Verträge mit VermittlernBedingungen mit Einzelhändlern festlegen, damit sie den Online-Kanal nicht unterbieten oder Produkte des Herstellers auslistenVerhindert, dass der Einzelhändler Konkurrenzmarken fördert. Hält das Gleichgewicht der Kanäle.

  • Preiskonflikt: Wenn der Hersteller online günstiger als der UVP verkauft → Einzelhändler verliert Kunden → Einzelhändler ist unzufrieden → könnte die Marke des Herstellers aus dem Sortiment nehmen
  • Markenkonflikt: Einzelhändler führt neben dem Produkt des Herstellers auch Konkurrenzmarken → Kunde könnte wechseln
  • Volumenkonflikt: Wenn der Online-Kanal schnell wächst, verzeichnet der Einzelhändler weniger Laufkundschaft → Einzelhändler droht, die Regalfläche für diese Marke zu reduzieren
  • Lösung über Verträge: Preisuntergrenzen | Exklusive Online-SKUs | Kanalspezifische Produkte | Umsatzbeteiligung für Einzelhändler bei online zugeschriebenen Verkäufen

  • Online-Kanal passt für: Standardisierte, leicht beschreibbare Produkte | Wiederholungskäufe (Kunde kennt das Produkt bereits) | Low-Touch-Artikel (Bücher, Elektronikzubehör, FMCG-Grundnahrungsmittel)
  • B&M-Kanal passt für: High-Touch-Produkte, die ausprobiert werden müssen (Bekleidung, Schuhe, Möbel, Brillen) | Hochwertige Artikel, die der Kunde begutachten will | Produkte, die fachkundige Beratung erfordern
  • Dual Channel ideal für: Produkte mit einer gemischten Kundenbasis — manche bevorzugen Bequemlichkeit (online), andere das Erlebnis (B&M) | Dasselbe Produkt, unterschiedliche Kaufanlässe
    • Beispiel: Bekleidung — Neukunde besucht Geschäft zum Anprobieren; Wiederholungskunde bestellt dieselbe Größe online nach

Nachfragebündelung — Ein wichtiger Online-Vorteil, den man beachten sollte

Abschnitt betitelt „Nachfragebündelung — Ein wichtiger Online-Vorteil, den man beachten sollte“
  • Im Online-Direct-Kanal: Hersteller erhält Bestellungen von vielen geografisch verstreuten Kunden
  • Vorteil: Nachfrageschwankungen in einzelnen Märkten heben sich auf aggregierter Ebene teilweise auf (Statistical Pooling) → Hersteller kann effizienter produzieren und lagern
  • B&M-Einschränkung: Jeder Einzelhändler bedient nur sein lokales Gebiet → Variabilität an jedem einzelnen Einzelhandelspunkt hoch → schwieriger, Bestände auszugleichen
  • Dual-Channel-Vorteil: Online-Bestellungen bieten den Bündelungsvorteil; das Einzelhandelsgeschäft fängt die letzte Meile in Gebieten mit hoher Laufkundschaft ab, in denen die Lieferkosten hoch wären

Was kommt als Nächstes — Multi-Channel & Omni-Channel

Abschnitt betitelt „Was kommt als Nächstes — Multi-Channel & Omni-Channel“
  • Dual Channel: 2 Kanäle — Online Direct + B&M. Etwas unabhängig voneinander gemanagt.
  • Multi-Channel: Mehrere Kanäle (Online, B&M, Katalog, Telefonbestellungen etc.) — jeder Kanal immer noch weitgehend getrennt
  • Omni-Channel: Alle Kanäle vollständig integriert — nahtloses Kundenerlebnis über Online und Offline hinweg. Kunde wechselt den Kanal mitten in der Customer Journey ohne Reibung.
  • Verbindung zur Plattformökonomie: Plattformen sind die Wegbereiter für Omni-Channel — sie bündeln alle Kanäle, Verkäufer und Kundeninteraktionen auf einer Oberfläche.

  • B&M Disruption: Plattformökonomie störte Unterhaltung, Gastronomie, Lebensmittel und Bildung → dasselbe Produkt wird nun über 2+ Kanäle verkauft
  • Zwei Erkenntnisse: (1) Kunden fordern Echtzeitservice. (2) Dasselbe Produkt kann gleichzeitig über mehrere Kanäle verkauft werden.
  • Vorteile Online Direct: Direkte Kundenverbindung | Nachfragebündelung | Volle Marge | Unbegrenzte Reichweite
  • Herausforderungen Online Direct: Kein physisches Erlebnis | Hohe Werbe- + Liefer- + Lagerkosten
  • Vorteile B&M: Physisches Erlebnis | Sofortige Verfügbarkeit | Geringerer Konversionsaufwand | Pufferbestand
  • Herausforderungen B&M: Investitionen des Einzelhändlers | Margenaufschlag | Loyalitätsrisiko des Händlers | Geografische Grenze | Hohe Skalierungskosten
  • Dual Channel: Kombination beider Kanäle → Vorteile beider nutzen. Management durch Nachfrageallokation, Produktmix-Zuordnung, Spillover und Verträge.
  • Risiko von Kanalkonflikten: Preis- und Volumenwettbewerb zwischen Online- und B&M-Kanälen → Lösung durch Verträge und Preisstrategie
  • Nächstes: Multi-Channel und Omni-Channel + Praxisbeispiele im Kontext der Plattformökonomie