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Woche 10 | Session 5: Informationssysteme — WMS & TMS (Lager- & Transportmanagementsysteme)

Kurs: Supply Chain Digitalisierung — Modul 4: Digitale Infrastruktur



WMS & TMS — Lager- und Transportinformationssysteme

AttributWMSTMS
Vollständiger NameWarehouse Management SystemTransportation Management System
FokusAktivitäten innerhalb des Lagers/EinrichtungMaterial-bewegung zwischen Einrichtungen
UmfangEmpfang → Einlagerung → Lagerung → Kommissionierung → VersandFracht, Routing, Dock-Planung, Hofverwaltung
EinrichtungstypenLager, DC, Fulfillment Center, Sortierlager, Cross-DockFernverkehr, letzte Meile, Einrichtungsübergreifender Transport
Verknüpft mitERP (Materialmodul), TMSERP (Lieferantenmodul), WMS
EntwickeltIn-house oder beschafft (gleicher oder anderer Anbieter als ERP)In-house oder beschafft — oft mit WMS integriert

Lageraktivitäten sind sehr spezifisch für Produkttyp, Einrichtungslayout und Prozess — nicht allgemeingültig für alle Unternehmen. ERP verwaltet gemeinsame Geschäftsfunktionen (Finanzen, HR, Projekte) — keine granularen Lageroperationen. WMS und ERP kommen oft vom gleichen Anbieter, sind aber separate Module — Integration ist erforderlich.

EinrichtungstypMerkmale
LagerLangfristige Lagerung — Artikel können monatelang vor dem Bewegen verbleiben
Distribution Center (DC)Kürzerer Aufenthalt — regelmäßige Kommissionierung und Versand an Einzelhändler
Fulfillment CenterE-Commerce-fokussiert — schnelle Einzelbestellungserfüllung
Sortierlager / Cross-DockArtikel kommen an und verlassen in 8–12 Stunden — keine Langzeitlagerung
BegriffDefinition
PalettenpositionenIndividuelle Lagerslots (jedes Quadrat = 1 Palette in der Draufsicht). Können vertikal auf Regalen gestapelt werden.
GangflächeBewegungskorridor zwischen Lagerreihen — kein Lager, nur Transit.
EingangsdocksBereich, wo eingehende Fahrzeuge Materialien abladen (mehrere Docks möglich).
AusgangsdockBereich, wo ausgehende Fahrzeuge Materialien für den Versand laden.
HofFreifläche um das Gebäude — Fahrzeugparkplatz und große Geräte.
SKUStock Keeping Unit — eine spezifische Produktart + Größe + Einheit (z.B. Shampoo 200ml).
  1. Empfang (Eingehend): Materialien kommen an Eingangsdocks an. Artikel werden entladen, gescannt (T&T-Integration), WE-Schein erstellt.
  2. Einlagerung: Artikel werden vom Eingangsbereich zum zugewiesenen Lagerplatz bewegt. WMS liefert Sequenzierung zur Minimierung der Wegestrecke.
  3. Lagerung: Artikel werden für geplante Dauer gehalten. WMS zeigt Echtzeit-Palettenpositionsverfügbarkeit. Verfolgt Auslastung nach Zone, Regal, Position.
  4. Kommissionierung: Bestellungen eingehen → WMS erstellt Kommissionierliste (Sequenz + Menge). Kommissionierer oder automatisiertes Equipment folgt der Liste.
  5. Bereitstellung & Versand: Kommissionierte Artikel werden in den Ausgangsbereich gebracht (Staging). Auf Fahrzeug geladen. Ausgehender WE-Schein-Äquivalent erstellt. Dock durch TMS zugewiesen.

WMS-FunktionalitätWas sie tut
Echtzeit-VisualisierungZeigt Draufsicht auf Lager — Palettenpositionen: voll, leer, teilweise leer. Farbkodiert nach Status. Sofortiger Überblick über Kapazitätsauslastung.
Platzzuweisung / SlottingEntscheidungsunterstützung: SKUs basierend auf Bewegungsgeschwindigkeit (Schnelldreher nahe Ausgang), Größe, Produkttyp zuweisen. Schlägt optimale Palettenposition für eingehendes Produkt vor.
WareneingangsmanagementErfasst Eingangsabschluss — alle Paletten entladen? WE-Schein erstellt? Integriert mit T&T-Scanning. Verknüpft mit ERP-Materialmodul.
EinlagerungssequenzierungSagt Operator: zuerst Position A besuchen, dann B — minimiert Wegestrecke.
KommissionierlistenerstellungBasierend auf eingegangenen Bestellungen — erstellt geordnete Kommissionierliste mit Mengen und Standorten. Minimiert Wegestrecke; verarbeitet Teil- und Massenentnahmen.
LeistungsberichterstattungTägliche Produktivitätskennzahlen: Durchsatz, Auslastung %, Geräteauslastung, Kommissioniererproduktivität.

TMS verwaltet die Bewegung von Materialien zwischen Einrichtungen — Fabrik → Lager → DC → Einzelhandelsgeschäft. Abdeckung: Personal, Ausrüstung, Vertragsbedingungen, regulatorische Compliance, Routenplanung.

BegriffDefinition
FTLFull Truck Load — Fahrzeug wird für eine Sendung voll genutzt
LTLLess than Truck Load — Fahrzeug trägt Teilladungen; kann mehrere Sendungen kombinieren
BackhaulRückfahrt des Fahrzeugs nach Lieferung — zurück zum Lager ODER zur nächsten Abholung
DockBe-/Entladebereich an einem Lager — gleicher Begriff in Lager und Hafenkontext
HofverwaltungVerwaltung des Fahrzeug- und Geräteparkbereichs um das Lagergebäude
TMS-FunktionalitätWas sie tut
Dock-PlanungWelches Fahrzeug geht zu welchem Dock? Wann ist ein Dock frei? Nächstes Fahrzeug zuweisen. Verbindet TMS mit WMS — Dockverfügbarkeit hängt vom Lager-Kommissionier-/Ladefrotschritt ab.
HofverwaltungVerwaltet Freifläche — Parken von Fahrzeugen, die auf Dockzuweisung warten. Positionierung von Geräten (Kräne, Gabelstapler).
FrachtmanagementModusauswahl: Straße vs. See vs. Luft — Entscheidungsunterstützung basierend auf Kosten, Geschwindigkeit, Dringlichkeit. FTL vs. LTL-Entscheidungen zur Maximierung der Fahrzeugauslastung.
DokumentationAutomatische Erstellung von Versanddokumenten, Lieferaufträgen, Zollpapieren.
FahrzeugroutingFür letzte-Meile-/Mehrfachstop-Lieferungen: optimale Reihenfolge der Einzelhandelsgeschäfte bestimmen. Minimiert Gesamtdistanz/-zeit. Backhaul-Entscheidung: zurück zum Lager oder zur nächsten Abholung?

5. Integration — Wie ERP, WMS & TMS verbunden sind

Abschnitt betitelt „5. Integration — Wie ERP, WMS & TMS verbunden sind“

Alle drei Systeme sind miteinander verbunden — Daten fließen kontinuierlich zwischen ihnen:

IntegrationDatenfluss & Zweck
ERP ↔ WMSProduktionsplan informiert Lager über erwarteten Eingang. Versanddaten aktualisieren ERP-Materialmodul. Ausgabedaten fließen in ERP-Finanzen.
ERP ↔ TMSLieferantenlieferpläne aus ERP-Beschaffungsmodul informieren TMS-Dock-Planung. Frachtkosten fließen zurück in ERP für Ausgabenanalyse.
WMS ↔ TMSWMS sagt TMS, wann Dock frei und Artikel ladebereit sind. TMS sagt WMS Fahrzeugankunftszeit, damit Dock vorgeklärt werden kann.
WMS ↔ T&TBarcode-/RFID-Scans am Eingangsdock aktualisieren WMS-Inventar in Echtzeit. Scan bei Kommissionierung bestätigt, was abgeholt und geladen wurde.
TMS ↔ T&TFahrzeugverfolgung (GPS, Telematik) aktualisiert TMS mit Live-Fahrzeugstandort und Lieferbestätigung beim Kunden.

End-to-End-Flussbeispiel: Produktion abgeschlossen in Fabrik (ERP) → LKW versendet (TMS) → kommt am Dock an (WMS Dock-Planung) → Artikel eingescannt (T&T → WMS) → Kommissionierliste für Einzelhandelsbestellungen erstellt (WMS) → Fahrzeug zu Geschäften geleitet (TMS).


ImplementierungsfrageWarum wichtig
Unternehmensgröße?Bestimmt, welche Module implementiert und ob beschafft oder intern entwickelt werden sollen
ERP-Integration möglich?Wenn WMS/TMS-Daten nicht in ERP fließen können, ist der Wert des Systems stark reduziert
Partner-WMS/TMS-Kompatibilität?Kann Ihr Lager-WMS mit dem TMS Ihres Lieferanten oder Kunden kommunizieren?
Digitale Bereitschaft des Personals?Mitarbeiter müssen auf Geräten und Software geschult werden — nicht nur operationale Aufgaben
Anpassungsfähigkeit an Änderungen?Produktmix-Änderungen, Nachfrageschwankungen, Regulierungsänderungen — kann das System sich anpassen?
Routing-Komplexität?Komplexe Mehrfachstop- oder Multimode-Routing-Anforderungen bestimmen, wie ausgefeilt ein TMS benötigt wird
Skalierbarkeit?Fähigkeit zur schnellen Anpassung bestimmt, wie schnell das Unternehmen skalieren kann

  • WMS: verwaltet Aktivitäten innerhalb des Lagers — Empfang, Einlagerung, Lagerung, Kommissionierung, Versand, Leistungskennzahlen.
  • TMS: verwaltet Materialbewegung zwischen Einrichtungen — Dock-Planung, Hofverwaltung, Fracht, Routing, Dokumentation.
  • Schlüsselbegriffe: Dock, Gang, Palettenposition, SKU, FTL, LTL, Backhaul, Hof, Cross-Dock, Sortierlager.
  • WMS-Funktionalitäten: Echtzeit-Visualisierung, Slotting, WE-Schein, Einlagerungssequenzierung, Kommissionierliste, Leistungsberichterstattung.
  • TMS-Funktionalitäten: Dock-Planung, Hofverwaltung, Frachtmodusauswahl, Dokumentation, Fahrzeugrouting.
  • Integration: ERP ↔ WMS ↔ TMS ↔ T&T — alle verbunden. Daten fließen in einer gut gestalteten SC-IS-Landschaft über alle Systeme.