Woche 4 | Sitzung 3: Kanalstrukturen & SC-Koordination
Kurs: Supply-Chain-Digitalisierung — Modul 3: Digitales Geschäft in der SC
Sitzungsübersicht
Abschnitt betitelt „Sitzungsübersicht“Kurze Wiederholung — Plattformökonomie
Abschnitt betitelt „Kurze Wiederholung — Plattformökonomie“Physische SC vs. digitale Plattform — Wesentlicher Unterschied
Abschnitt betitelt „Physische SC vs. digitale Plattform — Wesentlicher Unterschied“Die Lieferkette und die digitale Plattform sind zwei verschiedene Umgebungen. Sie laufen parallel — die Plattform verstärkt die physische SC, ersetzt sie aber nicht.
| Dimension | Traditionelle (physische) SC | Digitale Plattform |
|---|---|---|
| Produktbewegung | Produkt bewegt sich physisch: Lieferant → Hersteller → Händler → Einzelhändler → Kunde | Keine physische Produktbewegung — nur digitale Konnektivität |
| Wie Akteure sich verbinden | Über frühere Erfahrungen, Branchenveranstaltungen, Haustür-zu-Haustür-Ansprache | In Echtzeit über eine virtuelle Schnittstelle |
| Informationsgeschwindigkeit | Reist langsam; Aufzeichnungen können physisch sein | Reist sofort; volle Transparenz für alle Parteien |
| Geografische Reichweite | Geografisch begrenzt | Verbindet einen Verkäufer in Nordindien mit einem internationalen Käufer nahezu in Echtzeit |
Wie die Plattform der physischen SC Mehrwert bietet
Abschnitt betitelt „Wie die Plattform der physischen SC Mehrwert bietet“| Problem (ohne Plattform) | Plattformlösung |
|---|---|
| Nachfragesignal beim Endkunden erreicht den Hersteller langsam → überschüssiger Bestand häuft sich beim Händler und Großhändler an | Echtzeit-Nachfragetransparenz → Produkt bewegt sich schnell → ungenutzter Bestand reduziert |
| Lieferant sucht nach Hersteller (oder umgekehrt) erfordert Ansprache, Veranstaltungen und Zeit | E-Beschaffung und E-Ausschreibung → schnelleres, besser passendes Sourcing |
| Hersteller kann Endkundennachfrage ohne lange Distributionskette nicht verstehen | Plattform überbrückt die physische Distanz sofort — Nachfragedaten fließen in Echtzeit upstream |
SC-Koordination — Kernkonzept
Abschnitt betitelt „SC-Koordination — Kernkonzept“Warum Koordination notwendig ist
Abschnitt betitelt „Warum Koordination notwendig ist“SC-Netzwerke sind heute komplex — sie erstrecken sich über mehrere Branchen und Regionen. SCs sind nicht isoliert; sie überschneiden sich:
| Branchen-SC | Abhängige SC |
|---|---|
| Öl & Gas | Bohranlagen-SC — Ausrüstung wird zur Ressourcengewinnung benötigt |
| Kunststoffproduktion | Elektronik- und Spielzeug-SC — Kunststoffe sind Inputs |
| Mineralien | Elektronikgeräte-SC — Mineralien sind Inputs für Komponenten |
Diese branchenübergreifenden Abhängigkeiten machen Koordination nicht nur nützlich, sondern unerlässlich — ein Fehler in einer SC kann auf eine andere übergreifen.
Was der Endkunde erhalten soll
Abschnitt betitelt „Was der Endkunde erhalten soll“Koordinationserfolg wird daran gemessen, was den Endkunden erreicht:
- Das richtige Produkt — was er tatsächlich wollte, kein Ersatz
- Einen angemessenen Preis — wettbewerbsfähig und fair
- Vollständige Zufriedenheit — bei Nutzung, Lieferung und Erfahrung
Sechs Entscheidungstypen in einer Lieferkette
Abschnitt betitelt „Sechs Entscheidungstypen in einer Lieferkette“Koordination bedeutet letztlich, diese sechs Entscheidungstypen für alle SC-Akteure abzustimmen.
A. Preisentscheidungen
Abschnitt betitelt „A. Preisentscheidungen“Preis bei der Herstellung ≠ Preis beim Händler ≠ Preis, den der Endkunde zahlt. Jeder Knoten in der Kette legt einen Preis fest, und diese Preise müssen koordiniert werden:
- Welchen Preis berechnet der Hersteller den Zwischenhändlern?
- Welchen Aufschlag wendet der Händler an?
- Welchen Preis berechnet der Einzelhändler dem Kunden?
B. Bestellmengenentscheidungen
Abschnitt betitelt „B. Bestellmengenentscheidungen“Jeder Akteur in der SC steht vor einer „Wie viel?”-Frage auf seiner Ebene:
| SC-Akteur | Bestellmengenentscheidung |
|---|---|
| Endkunde | Wie viele kg Reis / Liter Öl pro Einkauf? |
| Großhändler / Händler | Wie viele Doppelzentner oder Tonnen beschaffen? (Bündelt Marktnachfragesignale) |
| Produzent / Hersteller | Wie viele Einheiten in einer einzigen Charge produzieren oder kaufen? |
C. Standort- / Beschaffungsentscheidungen
Abschnitt betitelt „C. Standort- / Beschaffungsentscheidungen“Sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite gibt es Standortentscheidungen:
| Seite | Entscheidung |
|---|---|
| Angebotsseite | Wo beschaffen — lokale, regionale oder internationale Quellen? |
| Nachfrageseite | Direkt an den Endkunden liefern oder den Kunden im Laden abholen lassen? |
Die entscheidende Frage: Wer trifft diese Entscheidung — der SC-Akteur oder darf der Kunde wählen?
D. Produktdesignentscheidungen
Abschnitt betitelt „D. Produktdesignentscheidungen“Wie ein Produkt gestaltet wird, beeinflusst direkt, wie es durch die SC bewegt wird.
E. Nachhaltigkeits- / Emissionsentscheidungen
Abschnitt betitelt „E. Nachhaltigkeits- / Emissionsentscheidungen“Dies ist ein wachsender und zunehmend regulierter Bereich. Nachhaltigkeit ist nicht die Verantwortung eines einzelnen Unternehmens — die gesamte SC muss bewertet werden:
| Nachhaltigkeitsdimension | Was sie abdeckt |
|---|---|
| Umweltverschmutzung | Luft-, Wasser- und Lärmverschmutzung an jedem SC-Knoten |
| Gemeinschaftsauswirkungen | Beschäftigungseffekte und nachteilige Auswirkungen auf Gemeinschaften in der Nähe von SC-Einrichtungen |
| Emissionsnormen | Wie viel jeder SC-Akteur (Hersteller, Einzelhändler, Logistikanbieter) emittieren darf |
| Ziel | Eine „grüne” SC, bei der alle Partner innerhalb nachhaltiger Parameter arbeiten |
F. Zeitplanungs- / Bestellzeitpunktentscheidungen
Abschnitt betitelt „F. Zeitplanungs- / Bestellzeitpunktentscheidungen“Drei Zeitfragen müssen beantwortet und für alle SC-Akteure abgestimmt werden:
- Wann soll die Bestellung aufgegeben werden?
- Wann soll die Bestellung empfangen werden?
- Wann soll die Bestellung verarbeitet werden?
Zeitliche Fehlausrichtung zwischen SC-Akteuren ist eine Hauptursache des Peitscheneffekts — Nachfragevariabilität wird durch verzögerte oder gebündelte Bestellsignale nach oben verstärkt.
Alle sechs Entscheidungen — Kurzübersicht
Abschnitt betitelt „Alle sechs Entscheidungen — Kurzübersicht“| Entscheidungstyp | Schlüsselfrage | Beteiligte |
|---|---|---|
| Preisgestaltung | Welcher Preis an jedem SC-Knoten? | Hersteller, Händler, Einzelhändler |
| Bestellmenge | Wie viel bestellen oder produzieren? | Alle SC-Akteure |
| Standort / Beschaffung | Wo beschaffen / wo beliefern? | Hersteller, Händler |
| Produktdesign | Wie soll das Produkt für die SC gestaltet sein? | Hersteller, Plattforminhaber |
| Nachhaltigkeit | Arbeiten alle SC-Akteure nachhaltig? | Alle SC-Akteure + Regulierungsbehörden |
| Zeitplanung | Wann Bestellungen aufgeben, empfangen und verarbeiten? | Alle SC-Akteure |
Zentralisierte vs. dezentralisierte Kanalstrukturen
Abschnitt betitelt „Zentralisierte vs. dezentralisierte Kanalstrukturen“| Dimension | Zentralisierte Entscheidungsfindung | Dezentralisierte Entscheidungsfindung |
|---|---|---|
| Kontrolle | EIN SC-Akteur trifft alle Schlüsselentscheidungen für die gesamte Kette | Entscheidungen verteilt auf mehrere SC-Partner unabhängig |
| Beispiel — Hersteller | Hersteller entscheidet: Produktdesign, Preisgestaltung, Bestellmenge und sogar den Einzelhandelspreis | Jeder Akteur legt seinen eigenen Preis, seine Bestellmenge und seine Beschaffung unabhängig fest |
| Beispiel — Plattforminhaber | Amazon, Flipkart oder Myntra kontrolliert, was beworben wird, und beeinflusst wichtige SC-Entscheidungen | Händler wählt selbst seinen Transportunternehmer; Einzelhändler legt seinen eigenen Preis fest |
| Preisfestsetzungsmacht | Hersteller kann den Preis festlegen, den der Einzelhändler dem Endkunden berechnet | Einzelhändler legt seinen eigenen Preis an den Endkunden fest — Hersteller hat kein Mitspracherecht |
Wer kann der „zentrale” Entscheidungsträger sein?
Abschnitt betitelt „Wer kann der „zentrale” Entscheidungsträger sein?“- Traditionell: Der Hersteller — besitzt das Produkt und hält Designrechte
- Ära der Auftragsfertigung: Nicht notwendigerweise der Hersteller — Auftragsfertiger und 3PLs gewannen Entscheidungseinfluss
- Ära der digitalen Plattform: Plattforminhaber (Amazon, Flipkart, Myntra) können wichtige SC-Entscheidungen kontrollieren — einschließlich Produktsichtbarkeit, Preisbandbreiten und Fulfillment-Standards — ohne das Produkt zu besitzen
Was ist besser — zentralisiert oder dezentralisiert?
Abschnitt betitelt „Was ist besser — zentralisiert oder dezentralisiert?“Plattformökonomie & SC-Koordination — Die Verbindung
Abschnitt betitelt „Plattformökonomie & SC-Koordination — Die Verbindung“Die Plattform ist nicht nur ein Marktplatz — sie ist ein Koordinationswerkzeug für die Lieferkette.
| Plattform-Koordinationsfähigkeit | Beschreibung |
|---|---|
| Informationsweiterleitung | Verbindet Parteien und leitet die richtigen Informationen zur richtigen Zeit weiter — ohne physische Treffen |
| Transaktionsbestätigung | Bestätigt und erfasst Transaktionen im digitalen Bereich, verknüpft mit physischer Bewegung |
| Echtzeit-Koordination | Beseitigt die Notwendigkeit von Papierdokumenten, verzögerten Kommunikationen oder sequenziellen Genehmigungsprozessen |
Zusammenfassung
Abschnitt betitelt „Zusammenfassung“| Thema | Kernpunkte |
|---|---|
| Physische SC vs. Plattform | Physische SC = Produktbewegung. Plattform = Informationsbewegung. Plattform verstärkt, ersetzt aber nicht die physische SC. |
| SC-Koordination | Entscheidungen aller SC-Akteure ausrichten, sodass Wert den Endkunden erreicht und alle Partner profitieren |
| Sechs Entscheidungstypen | Preisgestaltung | Bestellmenge | Standort/Beschaffung | Produktdesign | Nachhaltigkeit | Zeitplanung |
| Zentralisierte SC | Ein Akteur kontrolliert Schlüsselentscheidungen — kann Hersteller, Einzelhändler oder Plattforminhaber sein |
| Dezentralisierte SC | Entscheidungen verteilt — jeder Akteur trifft unabhängige Entscheidungen auf seiner Seite der Kette |
| Plattform als Koordinationswerkzeug | Ermöglicht Echtzeit-Informationsweiterleitung, Transaktionsbestätigung und Koordination ohne physische Interaktion |