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Rechnungswesen als Sprache der Wirtschaft

Financial Performance & Management Control - TUHH Institute of Management Accounting & Simulation, Hamburg · Teil meines Technology-Management-MBA · Lernnotizen zur Wiederholung.


Jedes andere Modul in diesem MBA landet irgendwann bei einer Zahl: einer Marge, einem Budget, einer Kapitalrendite. In diesem Modul geht es darum, woher diese Zahlen kommen. Das erklärte Ziel ist, dass wir die Konzepte und die Sprache von Financial Performance und Management Control so gut verstehen, dass wir sie als praktisches Werkzeug für Kommunikation, Überwachung und Ressourcenallokation einsetzen können. Der Leitsatz, an dem der ganze Kurs hängt, lautet Rechnungswesen als Sprache der Wirtschaft - und wie jede Sprache hat es Vokabeln (Gewinn, Eigenkapital, Abschreibung, Rückstellungen, EBIT und EBITDA, ROCE), eine Grammatik (die Bilanzgleichung) und regionale Dialekte (HGB, IFRS, US-GAAP).

Das Modul hat drei Teile. Teil I, externes Rechnungswesen: Grundlagen, die Bilanz, die Gewinn- und Verlustrechnung, IFRS, die Bilanzierung einzelner Posten wie Sachanlagen oder Vorräte sowie die Jahresabschlussanalyse. Teil II, internes Rechnungswesen und Controlling: Kostenbegriffe, Kalkulation und Preisbildung, Kosten-Volumen-Gewinn-Analyse, Leistungsmessung und die Balanced Scorecard. Teil III, Finanzierung und Simulation: Zeitwert des Geldes, Cashflow- und Projektanalyse, Kapitalwert (NPV), interner Zinsfuß (IRR) und Amortisation, WACC, der Leverage-Effekt und ein Simulationslabor. Die Bewertung setzt sich zusammen aus 30% Fallstudien und Reflexion, 30% Aufgaben und 40% Open-Book-Abschlussklausur; das Lehrbuch ist Horngren’s Accounting (die Kapitel zum externen Rechnungswesen), für diese Sitzung Kapitel 1.

Dieses erste Kapitel stellt vier Fragen: was externes Rechnungswesen ist (im Unterschied zum internen Rechnungswesen), warum es überhaupt existiert, wer die Informationen nutzt und wofür, und ob das Rechnungswesen von Geschichte und gesellschaftlichem Kontext geprägt ist. Danach hören wir auf zu theoretisieren und spielen Monopoly - mit einer Wendung: Jeder Wurf wird zu einem Geschäftsvorfall, und am Ende muss jedes Team eine Bilanz und eine Gewinn- und Verlustrechnung vorlegen.

1 · Was ein Unternehmen tatsächlich tut - die Sicht der Wertschöpfungskette

Abschnitt betitelt „1 · Was ein Unternehmen tatsächlich tut - die Sicht der Wertschöpfungskette“

Bevor wir Leistung messen können, brauchen wir ein Bild von dem, was gemessen wird. Der Kurs beginnt mit einer schlichten Wertschöpfungsketten-Skizze einer Organisation. Links steht der Beschaffungsmarkt (der Faktormarkt, auf dem die Lieferanten sitzen); rechts steht der Absatzmarkt (der Nachfragemarkt, auf dem die Kunden sitzen). Dazwischen beschafft das Unternehmen Ressourcen, transformiert sie und vermarktet das Ergebnis.

BeschaffungsmarktFaktormarkt · Lieferanten
→Beschaffung
Eingesetzte RessourcenArbeit, Maschinen, Gebäude, Materialien, Rechte
→Transformation
Erzeugte LeistungenGüter, Dienstleistungen, Rechte
→Vermarktung
AbsatzmarktNachfragemarkt · Kunden
Die Wertschöpfungsketten-Perspektive auf ein Unternehmen. Um die Kernkette herum liegen die Unterstützungsfunktionen und über allem die Unternehmensführung. Das Unternehmen kauft Inputs auf dem einen Markt und verkauft Outputs auf dem anderen; alles Interessante passiert in der Transformation dazwischen.

Was bedeutet in diesem Bild also Leistung? Ein Unternehmen ist eine Maschine, die auf einem Markt gekaufte Ressourcen in Leistungen verwandelt, die auf einem anderen verkauft werden. Leistung ist schlicht, wie gut diese Maschine arbeitet: Ist das, was herauskommt, mehr wert als das, was hineinging, und wächst oder schrumpft der Bestand an Ressourcen, den das Unternehmen kontrolliert? Genau diese beiden Fragen sollen die Gewinn- und Verlustrechnung (eine Stromgröße über eine Periode) und die Bilanz (eine Bestandsgröße zu einem Stichtag) beantworten. Das Rechnungswesen ist das Messgerät, das an die Wertschöpfungskette angeschraubt wird.

Das Wort “Rechnungswesen” umfasst zwei Systeme, die sich Daten teilen, aber unterschiedlichen Herren dienen.

Externes Rechnungswesen nach außen gerichtet
  • Erzeugt standardisierte finanzielle Informationen über ein Unternehmen oder einen Konzern
  • Zielt auf externe Berichterstattung - Menschen außerhalb des Unternehmens
  • Durch verbindliche Vorgaben gesteuert (Gesetze und Standards) - man kann sich das Format nicht aussuchen
  • Von Natur aus rückwärtsgewandt: Es berichtet, was in der Periode geschehen ist
Internes Rechnungswesen nach innen gerichtet
  • Misst und berichtet finanzielle und nichtfinanzielle Informationen (Stückzahlen, Stunden, Fehlerquoten, Kundendaten)
  • Soll vor allem Managern helfen, die Ziele der Organisation zu erreichen
  • Kein externes Regelwerk - das Format, das eine Entscheidung unterstützt, ist das richtige Format
  • Oft zukunftsgerichtet: Budgets, Prognosen, Was-wäre-wenn-Analysen

Die Kostenrechnung ist die Brücke zwischen beiden. Sie geht von denselben erfassten Geschäftsvorfällen aus wie das externe Rechnungswesen, sortiert die Aufwendungen aber nach Produkt, Abteilung oder Prozess um, damit Manager damit steuern können (Teil II des Kurses); manche ihrer Ergebnisse fließen auch in den Jahresabschluss zurück, etwa wenn selbst erstellte Vorräte bewertet werden müssen.

Noch eine Unterscheidung: Finanzberichterstattung ist der weitere Begriff. Sie baut auf den Informationen des externen Rechnungswesens auf, legt aber stärkeren Nachdruck auf die Offenlegung - die Informationen zu denen zu bringen, die sie brauchen. Ihre Kernaufgabe ist es, die Informationsasymmetrie zwischen gut informierten Insidern (allen voran den Managern) und den externen Vertragspartnern des Unternehmens zu reduzieren.

3 · Wer die Zahlen liest - Insider, Außenstehende und die Informationslücke

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Innerhalb des Unternehmens wissen Manager und Mitarbeitende, was vor sich geht. Außerhalb hat eine ganze Schar von Parteien Geld, Arbeitsplätze oder Ansprüche im Spiel, ohne hineinsehen zu können. Die Finanzberichterstattung ist die Leitung, die vertrauenswürdige Informationen von der ersten Gruppe zur zweiten trägt.

InsiderManager, Mitarbeitende - bedient vom internen Rechnungswesen
→Finanzberichterstattung verkleinert die Lücke
AußenstehendeInvestoren, Gläubiger, Finanzbehörden, Kunden, Lieferanten, die Öffentlichkeit, Gewerkschaften
Informationsasymmetrie: Insider wissen, Außenstehende müssen vertrauen. Standardisierte, regelgebundene Finanzberichterstattung macht dieses Vertrauen erst vernünftig.
intern: Managerintern: MitarbeitendeInvestorenGläubigerFinanzbehördenKundenLieferantendie ÖffentlichkeitGewerkschaften

Man beachte, wie unterschiedlich die Außenstehenden sind. Eine Bank, die über einen Kredit entscheidet, ein Finanzamt, das eine Steuererklärung prüft, eine Gewerkschaft, die eine Tarifrunde vorbereitet, und ein Lieferant, der sich fragt, ob er bezahlt wird, lesen alle denselben Geschäftsbericht - und jeder von ihnen will etwas leicht anderes daraus. Diese Vielfalt ist die Wurzel der meisten Spannungen im Rechnungswesen.

4 · Wofür die Informationen da sind - drei Zwecke

Abschnitt betitelt „4 · Wofür die Informationen da sind - drei Zwecke“

Die Folien fassen es sauber: Informationen für externe Nutzer sind entweder Selbstzweck (jemand will es einfach wissen) oder Grundlage weiterer rechtlicher oder vertraglicher Folgen (durch die Zahl wird etwas ausgelöst). Daraus ergeben sich drei Zwecke.

InformationSelbstzweck
InvestorenEntscheidungsnützlichkeit - investieren, halten oder verkaufen?
ManagementRechenschaft - Auskunft darüber, wie mit den Ressourcen der Eigentümer umgegangen wurde
Andere ParteienKunden, Lieferanten, Mitarbeitende - Selbstinformation: Ist dieser Partner solide?
DokumentationBeweissicherung
InsolvenzWas war da, und wann ist es verschwunden?
KonfliktStreitigkeiten zwischen Eigentümern, Partnern, Gerichten
BesteuerungNachweis hinter der Steuererklärung
Ausschüttungder Zahl folgen Konsequenzen
DividendenGläubigerseite: Mindestausschüttung (Gläubigerschutz) gegenüber Aktionärsseite: Höchstausschüttung (Aktionärsschutz)
BesteuerungEinkommensteuer, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer - über das Maßgeblichkeitsprinzip
Drei Zwecke von Rechnungslegungsinformationen. Nur der erste ist reine Information; die anderen beiden verwandeln die Zahlen in Beweise oder in Geld, das den Besitzer wechselt.

Information. Für Investoren lautet das Schlüsselwort Entscheidungsnützlichkeit: Hilft mir der Bericht bei der Entscheidung, ob ich Geld hineinstecke? Für das Management lautet das Schlüsselwort Rechenschaft (Stewardship): Der Bericht ist die Rechenschaft des Managements gegenüber den Eigentümern darüber, wie es mit deren Ressourcen umgegangen ist. Für Kunden, Lieferanten und Mitarbeitende ist es Selbstinformation - sie prüfen selbst, ob das Unternehmen ein sicherer Partner ist, an den man verkauft, von dem man kauft oder für den man arbeitet.

Dokumentation. Das Rechnungswesen sichert auch Beweise. Wenn ein Unternehmen insolvent wird, wenn Eigentümer sich zerstreiten oder wenn das Finanzamt Fragen stellt, sind die Bücher die Aufzeichnung darüber, was da war und was damit geschehen ist.

Ausschüttung und Besteuerung. Hier hat die Zahl Zähne. Die Gewinngröße entscheidet darüber, was das Unternehmen als Dividende verlassen darf. Gläubiger wollen Ausschüttungen auf einem Minimum halten, damit das Vermögenspolster hinter ihren Ansprüchen im Unternehmen bleibt (Gläubigerschutz); Aktionäre wollen das Maximum ausgeschüttet bekommen oder wenigstens eine Garantie, dass das Management nicht alles horten kann (Aktionärsschutz). Und in Deutschland ist die Handelsbilanz Ausgangspunkt der Steuerbilanz - das Maßgeblichkeitsprinzip - sodass dieselbe Gewinngröße Einkommensteuer, Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer speist.

Rechenschaft gegenüber Entscheidungsnützlichkeit

Abschnitt betitelt „Rechenschaft gegenüber Entscheidungsnützlichkeit“

Diese beiden sollte man im Kopf trennen, weil sie die Regeln in verschiedene Richtungen ziehen. Rechenschaft blickt zurück: Ist das Management ordentlich mit dem Geld der Eigentümer umgegangen? Sie belohnt Vorsicht und Nachprüfbarkeit. Entscheidungsnützlichkeit blickt nach vorn: Was wird das Unternehmen wert sein, soll ich investieren? Sie belohnt Relevanz und aktuelle Werte, selbst um den Preis von Schätzungen. Ein Regelwerk, das für Rechenschaft gebaut ist, sieht anders aus als eines, das für Investorenentscheidungen gebaut ist - und das ist der Keim des Gegensatzes von HGB und IFRS später im Kurs.

Welches Regelwerk auch gilt, drei Ideen liegen unter jedem Rechenwerk.

KonzeptWas es festlegtDetail
Rechnungslegungseinheit (berichtende Einheit, Geschäftseinheit)Über wen die Rechnungslegung informiertEntweder eine rechtliche Einheit (eine AG, GmbH oder Corp.), was zum Einzelabschluss führt, oder eine wirtschaftliche Einheit (ein Konzern, etwa ein Automobilhersteller mit allen Tochtergesellschaften), was zum Konzernabschluss führt
RechnungslegungsperiodeFür welchen Zeitraum die Einheit beobachtet wirdNormalerweise ein Geschäftsjahr (der Jahresabschluss); börsennotierte Unternehmen berichten zusätzlich je Quartal (der Quartalsabschluss)
Generally Accepted Accounting Principles (GAAP)Nach welchen Regeln die Zahlen entstehenEin gemeinsames Set von Standards, damit die Informationen vergleichbar und standardisiert sind

Der Ursprung der GAAP unterscheidet sich je nach Rechtstradition. In Common-Law-Ländern (angelsächsisch) werden die Standards von privaten Standardsetzern gesetzt; in Code-Law-Ländern sind sie im Gesetz kodifiziert. So oder so ist das Ergebnis dasselbe: Rechnungswesen wird zu einem standardisierten Informationsinstrument, und genau das brauchen Außenstehende.

IFRS - International Financial Reporting Standards, herausgegeben vom IASB (der Bound Volume)HGB - Handelsgesetzbuch, deutsches Handelsrecht (kodifiziertes Recht)US-GAAP - herausgegeben vom FASB (Original Pronouncements)

Alle drei Regelwerke sind frei herunterladbar, und der Kurs wird in Kapitel 4 die IFRS als Hauptbrille verwenden.

Das externe Rechnungswesen ist ein Teil eines umfassenderen Systems der Finanzberichterstattung - all der finanziellen Informationen, die ein Unternehmen offenlegt, sei es über das Einreichungssystem einer Aufsichtsbehörde (die EDGAR-Datenbank der US-SEC) oder über die eigenen Investor-Relations-Seiten. Es hat vier Ebenen.

EbeneWas sie enthältDeutschlandUS-SEC
GeschäftsberichtEin ungeprüfter freier Teil, der Einzel- und/oder Konzernabschluss, der Lagebericht (Management Discussion and Analysis, MD&A), der Bestätigungsvermerk des AbschlussprüfersVorgeschrieben durch HGB, AktG, BörsG, BörsZulVForm 10-K (inländisch), Form 20-F (ausländische Emittenten)
ZwischenberichterstattungBerichte über drei oder sechs Monate mit verkürztem Abschluss§ 44b BörsGForm 10-Q, Form 6-K
Zeitnahe Offenlegung wesentlicher EreignisseAd-hoc-Mitteilungen über Ereignisse, die den Aktienkurs erheblich bewegen könnten§ 15 WpHGForm 8-K, Form 6-K
SonstigesPressemitteilungen, Unternehmensberichte, Präsentationen--

Die Ebenen tauschen Tiefe gegen Geschwindigkeit: Der Geschäftsbericht ist vollständig und geprüft, aber langsam; Zwischenberichte sind schlanker und schneller; die Ad-hoc-Offenlegung ist sofort, deckt aber nur einzelne Ereignisse ab. Zusammen verhindern sie, dass sich die Informationslücke zwischen den Geschäftsberichten wieder öffnet.

7 · Abschlussprüfung - warum jemand die Zahlen kontrolliert

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Eine Abschlussprüfung ist eine Untersuchung der Geschäftsvorfälle eines Unternehmens und des daraus entstehenden Jahresabschlusses. Warum sie zur Pflicht wurde, ist eine Geschichte, und die Geschichte ist der Punkt dieses Abschnitts.

Vor dem Börsenkrach von 1929 wurden leitende Manager teilweise auf Grundlage dessen vergütet, was der Jahresabschluss zeigte - und dieselben Manager erstellten den Abschluss. Eingebautes Verzerrungspotenzial. Nach dem Krach verlangte der SEC Act von 1934, dass börsennotierte Unternehmen ihre Abschlüsse von unabhängigen externen Prüfern, die CPAs sind (Certified Public Accountants), prüfen lassen und die Ergebnisse bei der SEC einreichen. Für Aktionäre ist der Nutzen einfach: Ein Prüfungsbericht verleiht den Abschlüssen, auf die sie ihre Entscheidungen stützen, Glaubwürdigkeit.

  1. Einleitung - was genau geprüft wurde (welche Abschlüsse, welche Einheit, welche Periode).
  2. Umfang - wie die Prüfung durchgeführt wurde, also die Standards und Verfahren, denen der Prüfer gefolgt ist.
  3. Prüfungsurteil - zwei Beurteilungen: Sind die Abschlüsse sachgerecht dargestellt, und in welchem Maß wurden die GAAP befolgt?
  4. Sonstige Themen - zum Beispiel Änderungen von Bilanzierungsgrundsätzen oder die Angemessenheit der Prüfung des internen Kontrollsystems durch das Management.

Diese vier Elemente bilden den Standardprüfungsbericht. Der Markt für große Prüfungen wird von den Big Four beherrscht: Deloitte Touche Tohmatsu, Ernst & Young, KPMG International und PricewaterhouseCoopers. Rund 97% der an der New York Stock Exchange gelisteten Unternehmen sind Mandanten einer dieser vier - eine Konzentration, an die man sich erinnern sollte, wenn wir über die Unabhängigkeit der Prüfer sprechen.

8 · Rechnungswesen ist von Geschichte und gesellschaftlichem Kontext geprägt

Abschnitt betitelt „8 · Rechnungswesen ist von Geschichte und gesellschaftlichem Kontext geprägt“

Die Lessons-Learned-Folie fasst das Kapitel in vier Zeilen zusammen, die ich hier umformuliere, weil sie klausurreif sind:

  • Das externe Rechnungswesen wendet sich an externe Nutzer; das interne Rechnungswesen versorgt das Management.
  • Das externe Rechnungswesen erzeugt standardisierte finanzielle Informationen über ein Unternehmen und existiert, um die Informationsasymmetrie zwischen Insidern und externen Vertragspartnern zu reduzieren.
  • Rechnungslegungsinformationen dienen verschiedenen Zwecken, und die Zwecke bestimmen die Ausgestaltung. Ein System, das für Gläubigerschutz und Besteuerung gebaut ist, fällt vorsichtig aus (die HGB-Tradition); ein System, das für Kapitalmarktinvestoren gebaut ist, zielt auf ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild (true and fair view) (die IFRS- und US-Tradition).
  • Die Abschlussprüfung zeigt, dass Rechnungswesen ein Produkt gesellschaftlicher Entwicklung ist: Ein Börsenkrach brachte ein Gesetz hervor, das Gesetz brachte einen Berufsstand hervor, und der Berufsstand veränderte, was ein Jahresabschluss bedeutet.

Die Antwort auf die vierte Eingangsfrage lautet also ja: Rechnungswesen ist kein neutraler Spiegel. Es ist ein Satz von Konventionen, der aus konkreten Krisen, Rechtstraditionen und Machtverhältnissen zwischen Eigentümern, Kreditgebern und dem Staat gewachsen ist. Zwei Regelwerke können für ein Unternehmen zwei verschiedene Gewinne ausweisen, und beide können nach ihrem eigenen Zweck “richtig” sein.

9 · Simulieren wir ein Unternehmen - Accounting Monopoly

Abschnitt betitelt „9 · Simulieren wir ein Unternehmen - Accounting Monopoly“

Die Theorie bleibt abstrakt, bis man versucht, ein Geschäft selbst aufzuzeichnen, und genau dafür ist das Spiel der Sitzung da.

Aufbau. Gruppen zu siebt: drei Teams, jedes mit einem Würfler (dem CEO, der spielt) und einem Aufzeichner (dem CFO, der alles mitschreibt), dazu ein Bankier, der die Bank führt und Regelstreitigkeiten entscheidet. Spielen, und dabei eine Erzählung jedes Wurfs und jedes Zugs führen, nach Runden nummeriert. Die Folien geben den Stil vor:

  • Runde 1: auf Oxford Street landen und sie kaufen (Preis 300).
  • Runde 2: auf Liverpool Station landen und 25 Miete zahlen.
  • Runde 3: Kings Cross Station mit einer Hypothek belasten (Hypothekenwert 100).

Die Anweisung lautet, jedes “Ding”, das dem Team passiert, so klar wie möglich zu beschreiben. Wenn das Stoppsignal kommt, hat jedes Team zehn Minuten, um sein Endergebnis festzuhalten. Die Lehrunterlagen geben einen Kontenplan aus, in den das Durcheinander sortiert wird:

BilanzkontenGuV-Konten
Vermögenswerte: Zahlungsmittel, Grundstücke, Forderungen, Beteiligungen an Bahnhöfen, Beteiligungen an Versorgungsbetrieben, Gebäude (Häuser) und deren kumulierte Abschreibungen, Gebäude (Hotels) und deren kumulierte Abschreibungen, sonstige VermögenswerteErträge: Mieterträge aus Grundstücken, Mieterträge aus Häusern und Hotels, Gehaltserträge, Beteiligungserträge aus Versorgungsbetrieben, Beteiligungserträge aus Bahnhöfen, Zinserträge, sonstige Erträge
Verbindlichkeiten: Hypothekenverbindlichkeiten, Zinsverbindlichkeiten, SteuerverbindlichkeitenAufwendungen: Mietaufwand, Steueraufwand, Buß- und Strafgelder, Reparaturen und Instandhaltung, Zinsen, Abschreibungen, Sonstiges
Eigenkapital: gezeichnetes Kapital, GewinnrücklagenGewinne und Verluste: Gewinne oder Verluste aus dem Verkauf von Grundbesitz, sonstige Gewinne und Verluste

Diskussionsfragen im Anschluss - das sind eigentlich die Fragen des gesamten Teils I:

  1. Wie war es, Geschäftsvorfälle und Ergebnisse aufzuzeichnen, und was hat es schwer gemacht?
  2. Was sollte aufgezeichnet werden und was nicht?
  3. Wie bildet man den Status quo ab und wie misst man Leistung?
  4. Welches Team war erfolgreicher - und auf welcher Grundlage lässt sich dieses Urteil objektivieren?

Das Arbeitsheft führt das Spiel eines Teams bis zu vollständigen Abschlüssen durch. Ich gebe es Schritt für Schritt wieder, weil es das sauberste kleine Beispiel für das Zusammenspiel der drei Abschlüsse ist, das mir begegnet ist.

  1. Eröffnungsbilanz. Jedes Team startet mit 1,500 an Zahlungsmitteln, eingelegt von den “Eigentümern”. Vermögenswerte: Zahlungsmittel 1,500. Eigenkapital: gezeichnetes Kapital 1,500. Summe 1,500 auf beiden Seiten.
  2. Die Ereignisse der Periode (die Beispieldaten). Kauf von Oxford Street 300, Bond Street 320, Park Lane 350, Kings Cross Station 200, Water Works 150 und Mayfair 400. Zahlung von 25 Miete an Liverpool Station und 100 am Trafalgar Square. Bau je eines Hauses auf Mayfair und Park Lane (je 200). Zweimal Miete kassiert auf Oxford Street (je 26), einmal auf Bond Street (28), einmal auf Park Lane mit dessen Haus (350), zweimal auf Kings Cross (je 25) und einmal auf Water Works mit einem Würfelwurf von zehn (4 × 10 = 40). Abschreibung jedes Hauses um 20. Hypothek auf Kings Cross über 100. Landen auf dem Einkommensteuerfeld (200). Erhalt einer Gefängnis-frei-Karte. Zahlung von Straßenreparaturen (40 je Haus = 80) und einer Schulgebühr von 50. Viermal über Los gegangen (je 200 = 800).
  3. Bestandsaufnahme beim Stoppsignal. Zahlungsmittel 345; die vier Straßen; der Bahnhof und der Versorgungsbetrieb; zwei Häuser zu 200 abzüglich je 20; eine Hypothek von 100 auf Kings Cross; die Karte.
  4. Einsortieren in den Kontenplan, dann Aufstellen der Schlussbilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung und schließlich einer Cashflow-Aufteilung.

Schlussbilanz

VermögenswerteVerbindlichkeiten und Eigenkapital
Zahlungsmittel345Hypothekenverbindlichkeit (Kings Cross Station)100
Grundstücke (Park Lane 350, Mayfair 400, Bond Street 320, Oxford Street 300)1,370Zinsverbindlichkeit (auf die Hypothek abgegrenzt)10
Beteiligungen an Bahnhöfen (Kings Cross Station)200Summe Verbindlichkeiten110
Beteiligungen an Versorgungsbetrieben (Water Works)150Gezeichnetes Kapital1,500
Gebäude, Häuser (2 × 200 abzüglich 2 × 20 Abschreibung)360Gewinnrücklagen815
Sonstige Vermögenswerte (Gefängnis-frei-Karte: nicht angesetzt)0Summe Eigenkapital2,315
Summe Vermögenswerte2,425Summe Verbindlichkeiten und Eigenkapital2,425

Gewinn- und Verlustrechnung für die Periode

ErträgeAufwendungen
Mieterträge, Grundstücke (Oxford Street 2 × 26 = 52, Bond Street 28)80Mietaufwand (Liverpool Station 25, Trafalgar Square 100)125
Mieterträge, Häuser (Park Lane mit einem Haus)350Steueraufwand (Einkommensteuerfeld)200
Gehaltserträge (viermal über Los, 4 × 200)800Reparaturen und Instandhaltung (Straßenreparaturen, 2 Häuser × 40)80
Beteiligungserträge, Versorgungsbetriebe (Water Works, 4 × 10)40Abschreibungsaufwand (2 Häuser × 20)40
Beteiligungserträge, Bahnhöfe (Kings Cross 2 × 25)50Sonstiger Aufwand (Schulgebühr 50 zuzüglich der 10 abgegrenzten Hypothekenzinsen)60
Summe Erträge1,320Summe Aufwendungen505

Gewinne und Verluste aus Grundbesitzverkäufen: keine (es wurde nichts verkauft). Gewinn = 1,320 - 505 = 815.

GewinnErträge 1,320 - Aufwendungen 505 = 815
GewinnrücklagenAnfangsbestand 0 + Gewinn 815 - Dividenden 0 = 815
Eigenkapitalgezeichnetes Kapital 1,500 + Gewinnrücklagen 815 = 2,315
BilanzgleichungVermögenswerte 2,425 = Verbindlichkeiten 110 + Eigenkapital 2,315

Zwei Dinge sind hier zu sehen. Erstens ist der Saldo der Gewinn- und Verlustrechnung die Gewinnrücklage der Bilanz: Der Gewinn der Periode ist das Wachstum des Anspruchs der Eigentümer. Zweitens geht die Gleichung auf, weil jedes Ereignis auf beiden Seiten erfasst wurde - das ist kein Glück, sondern die Struktur der doppelten Buchführung (Kapitel 2).

Wo ist das Geld hin? Das Team hat 815 Gewinn gemacht, und doch fielen seine Zahlungsmittel von 1,500 auf 345. Die Cashflow-Aufteilung erklärt es:

CashflowBetragWas darin steckt
Operative Tätigkeit (CFO)+865Alle 1,320 an Erträgen waren zahlungswirksam; zahlungswirksame Aufwendungen waren Miete 125, Steuer 200, Reparaturen 80 und Schulgebühr 50 = 455; Abschreibungen (40) und die abgegrenzten Zinsen (10) kosteten kein Geld
Investitionstätigkeit (CFI)-2,120Grundstücke 1,370 + Bahnhof 200 + Versorgungsbetrieb 150 + zwei Häuser 400
Finanzierungstätigkeit (CFF)+100Die auf Kings Cross aufgenommene Hypothek
Nettoveränderung der Zahlungsmittel-1,1551,500 Anfangsbestand - 1,155 = 345 Endbestand
CFO aus dem GewinnGewinn 815 + Abschreibungen 40 + abgegrenzte, aber nicht gezahlte Zinsen 10 = 865
Kassenprobe865 - 2,120 + 100 = -1,155 → 1,500 - 1,155 = 345

Gewinn ist nicht Cash. Das Team ist nach der Rechnungslegungsgröße 815 reicher und an Zahlungsmitteln 1,155 ärmer, und beide Abschlüsse sind richtig. Der Unterschied liegt darin, dass das Geld in Vermögenswerte geflossen ist, die noch da sind (Grundstücke, Bahnhof, Versorgungsbetrieb, Häuser) - eine Investition, kein Aufwand - während eine Hypothek Geld hereinbrachte, ohne das Team reicher zu machen. Genau dieses eine Beispiel ist der Grund, warum Unternehmen drei Abschlüsse veröffentlichen und nicht einen.

Warum das Aufzeichnen schwerer ist, als es aussieht. In dem Moment, in dem man beginnt, eine Monopoly-Partie als Geschäftsvorfälle aufzuschreiben, beißen drei Fragen. Was zählt? Das Würfeln ist kein Geschäftsvorfall; auf Los zu landen und 200 zu kassieren schon. Der Kauf einer Straße verändert die Bilanz, nicht aber den Gewinn; Miete zu zahlen verändert beides. Wann? Die Abschreibung der Häuser ist ein Geschäftsvorfall, obwohl kein Geld geflossen ist; die 10% Zinsen, die auf die Kings-Cross-Hypothek fällig werden, werden jetzt als Zinsverbindlichkeit abgegrenzt, obwohl noch nichts gezahlt wurde. Zu welchem Wert? Grundstücke gehen zum gezahlten Preis hinein (Anschaffungskosten), Häuser zu Anschaffungskosten abzüglich Abschreibung; ein hypothekarisch belastetes Grundstück bleibt auf der Aktivseite mit seinen vollen Anschaffungskosten stehen, wobei die Hypothek getrennt als Verbindlichkeit gezeigt und nicht saldiert wird. Jede einzelne dieser Ermessensentscheidungen ist eine getarnte echte Rechnungslegungsregel, und jedes Team trifft sie ein wenig anders, bis ein gemeinsamer Kontenplan Konsistenz erzwingt - das sind GAAP im Kleinformat.

Warum die Gefängnis-frei-Karte nicht angesetzt wird. Sie hat eindeutig einen gewissen wirtschaftlichen Wert - eines Tages wird sie eine Strafe ersparen. Aber sie hat nichts gekostet, sie kann im Spiel nicht verkauft werden, und es gibt keine verlässliche Möglichkeit, ihr einen Geldbetrag zuzuordnen. Ein Posten, der nicht verlässlich in Geld bewertet werden kann, bleibt außerhalb der Bilanz, deshalb bleibt die Zeile “sonstige Vermögenswerte” leer. Dieselbe Logik erklärt später, warum eine selbst geschaffene Marke oder eine motivierte Belegschaft nicht in der Bilanz eines Unternehmens steht.

Wie man beurteilt, welches Team gewonnen hat. Zahlungsmittel sind der falsche Maßstab: Ein Team, das nichts gekauft hat, hätte am Ende das meiste Geld und die schwächste Position. Zwei bessere Maßgrößen folgen aus den Abschlüssen. Die Bilanz zeigt den Status quo - Eigenkapital von 2,315 gegenüber 1,500 zu Beginn; die Gewinn- und Verlustrechnung zeigt die Leistung - ein Gewinn von 815 für die Periode. Da nichts ausgeschüttet wurde, stimmen beide überein: Sieger ist das Team, dessen Eigenkapital am stärksten gewachsen ist, also mit dem höchsten Gewinn. Und weil jedes Team dieselben Ansatz- und Bewertungsregeln anwendet, ist dieser Vergleich objektiv in genau dem Sinn, nach dem die Diskussionsfrage fragt. Standardisierte Regeln sind das, was aus “wir fühlen uns reicher” eine Zahl macht, über die zwei Teams streiten können.

BegriffWas er in einfachen Worten bedeutet
WertschöpfungsketteDas Unternehmen gesehen als beschaffen, transformieren, vermarkten: Auf dem Beschaffungsmarkt gekaufte Ressourcen werden zu Leistungen, die auf dem Absatzmarkt verkauft werden
Externes RechnungswesenStandardisierte finanzielle Informationen über ein Unternehmen oder einen Konzern, nach verbindlichen Regeln für Menschen außerhalb des Unternehmens erstellt
Internes RechnungswesenFinanzielle und nichtfinanzielle Informationen, in der jeweils hilfreichen Form für Manager innerhalb des Unternehmens erstellt
KostenrechnungDie Brücke: sortiert erfasste Aufwendungen nach Produkt, Abteilung oder Prozess um, damit Manager steuern können
FinanzberichterstattungDie Offenlegungsseite des Rechnungswesens; ihre Aufgabe ist es, die Informationsasymmetrie zwischen Insidern und externen Vertragspartnern zu reduzieren
InformationsasymmetrieInsider wissen mehr als Außenstehende; die Berichterstattung verkleinert die Lücke, damit Außenstehende zu fairen Bedingungen mit dem Unternehmen umgehen können
EntscheidungsnützlichkeitInformationen, die einem Investor bei der Entscheidung über eine Investition helfen - der investorenorientierte Zweck
Rechenschaft (Stewardship)Die Rechenschaft des Managements gegenüber den Eigentümern über den Umgang mit deren Ressourcen - der verantwortungsorientierte Zweck
MaßgeblichkeitsprinzipIn Deutschland ist die Handelsbilanz (HGB) Ausgangspunkt der Steuerbilanz
RechnungslegungseinheitDie Einheit, die die Rechnungslegung beschreibt: eine rechtliche Einheit (Einzelabschluss) oder ein wirtschaftlicher Konzern (Konzernabschluss)
RechnungslegungsperiodeDer beobachtete Zeitraum: normalerweise ein Geschäftsjahr oder ein Quartal für Zwischenberichte
GAAPAllgemein anerkannte Rechnungslegungsgrundsätze: das gemeinsame Regelwerk, in Common-Law-Ländern privat gesetzt, in Code-Law-Ländern kodifiziert
AbschlussprüfungUnabhängige Untersuchung von Geschäftsvorfällen und Abschlüssen durch externe CPAs, für börsennotierte US-Unternehmen seit dem SEC Act von 1934 verpflichtend
GewinnrücklagenIm Unternehmen belassene Gewinne; die Verbindung zwischen Gewinn- und Verlustrechnung und Bilanz
  1. Erkläre anhand des Wertschöpfungsketten-Bildes, was die “Leistung” eines Unternehmens bedeutet und warum ein Messsystem nötig ist, um sie zu beurteilen.
  2. Stelle externes und internes Rechnungswesen in drei Dimensionen gegenüber: Nutzer, Regeln und Art der berichteten Informationen. Wo steht die Kostenrechnung?
  3. Nenne die drei Zwecke von Informationen des externen Rechnungswesens und gib je ein konkretes Beispiel. Welcher davon ist Selbstzweck?
  4. Definiere Rechnungslegungseinheit, Rechnungslegungsperiode und GAAP. Wie unterscheidet sich der Ursprung der GAAP zwischen Common-Law- und Code-Law-Ländern, und welcher Standard gehört zu welcher Tradition?
  5. Warum begannen die Vereinigten Staaten, unabhängige Abschlussprüfungen vorzuschreiben, und welche vier Elemente enthält ein Standardprüfungsbericht?
  6. Ein Monopoly-Team startet mit 1,500 Zahlungsmitteln. Am Ende hält es Zahlungsmittel 345, Grundstücke 1,370, Beteiligungen 350 und Häuser mit 360 netto und schuldet eine Hypothek von 100 zuzüglich 10 Zinsen. Berechne die Summe der Vermögenswerte, die Summe der Verbindlichkeiten, das Eigenkapital, die Gewinnrücklagen und den Gewinn der Periode. Erkläre dann in einem Satz, warum der Rückgang der Zahlungsmittel um 1,155 kein Verlust ist.

Weiter: Die Bilanz → - die Momentaufnahme dessen, was ein Unternehmen besitzt und schuldet.