Woche 6 | Session 3: Predictive Maintenance — Klassifikationsbaum-Fallstudie
Kurs: Supply Chain Digitalisierung — Modul 2: Digital Business in der SC
Session-Agenda
Abschnitt betitelt „Session-Agenda“Kontext der Fallstudie — Das Problem
Abschnitt betitelt „Kontext der Fallstudie — Das Problem“- Setting: Produktionsanlage mit wiederkehrenden Produktionsausfällen in den letzten Monaten
- Problem: Maschinen fallen 1-2 Mal pro Monat aus → Produktionsstopps → Kunden erhalten Produkte nicht pünktlich → Risiko der Kundenabwanderung
- Stakeholder: Neuer Werksleiter (mit Data-Science-Hintergrund) wird zur Lösung eingesetzt
- Ziel: Entwicklung eines Vorhersagemodells, um zu prognostizieren, WELCHE Maschine ausfallen wird, BEVOR sie tatsächlich kaputt geht → proaktive Korrekturmaßnahmen ergreifen → Produktionsausfälle eliminieren
- Genutzte Analyseart: Predictive Analytics (Klassifikationsmodell) → fließt auch in Prescriptive Analytics ein (Wartung vor Ausfall einplanen)
- Gewähltes Modell: Klassifikationsbaum (Teilmenge des Entscheidungsbaums) — gewählt, weil er für Mitarbeiter in der Fertigung interpretierbar ist, nicht nur für Data Scientists
Erfasste Daten — 1000 Instanzen, 7 Merkmale + 1 Ziel
Abschnitt betitelt „Erfasste Daten — 1000 Instanzen, 7 Merkmale + 1 Ziel“- Datensatzgröße: 1000 historische Instanzen — jede repräsentiert eine Maschine über einen Beobachtungszeitraum
- Daten enthalten SOWOHL Ausfall- als auch Nicht-Ausfall-Instanzen: Kritisch — das Modell muss lernen, zwischen beiden zu unterscheiden. Ein Modell, das nur Ausfalldaten hätte, wäre verzerrt.
Erfasste Merkmale und was sie repräsentieren
Abschnitt betitelt „Erfasste Merkmale und was sie repräsentieren“| Merkmal (Eingabevariable) | Einheit / Skala | Was es repräsentiert |
|---|---|---|
| Alter der Maschine | Jahre | Wie lange die Maschine bereits in Betrieb ist. Ältere Maschinen → höheres Ausfallrisiko. |
| Auslastung | % (0–100) | Prozentsatz der Zeit, in der die Maschine genutzt wird. Höhere Auslastung → mehr Verschleiß → höheres Ausfallrisiko. |
| MTBF (Mean Time Between Failures) | Stunden/Tage | Durchschnittliche Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Ausfällen. Höhere MTBF → Maschine fällt seltener aus → geringeres aktuelles Risiko. |
| Ungeplante Ausfallzeit | % | Prozentsatz der Zeit, in der die Maschine unerwartet stillstand (keine geplante Wartung). Höher = mehr historische Ausfallereignisse. |
| Ölkontamination (NAS-Wert) | NAS-Skala | Sauberkeit des Maschinenöls. Höhere Kontamination = schmutziges Öl = höheres Risiko für mechanisches Versagen. |
| Einhaltung des Überholungsplans | % (0–100) | Wie konsequent geplante Überholungen durchgeführt werden. 95,6% = Überholung nur in 4,4% der geplanten Fälle verpasst. Niedrigerer %-Satz = mehr verpasste Überholungen = höheres Ausfallrisiko. |
| Einhaltung des Schmierplans | % (0–100) | Wie konsequent geplante Schmierungen durchgeführt werden. Niedriger = mehr verpasste Schmierungen = höhere Reibung = höheres Ausfallrisiko. |
| Maschinenausfall? (Zielvariable) | Binär: 1/0 (Ja/Nein) | Ob die Maschine in diesem Fall tatsächlich ausgefallen ist (1) oder nicht (0). Dies ist es, was das Modell VORHERSAGEN muss. |
(Beispieldaten für die Instanzen 0-4 und 995-999 zum Trainieren und Testen des Modells bereitgestellt).
Warum ein Klassifikationsbaum (Entscheidungsbaum)?
Abschnitt betitelt „Warum ein Klassifikationsbaum (Entscheidungsbaum)?“- Problemtyp: Binäre Klassifikation — Maschine FÄLLT AUS (1) oder FÄLLT NICHT AUS (0)
- Hauptanforderung: Das Modell muss für die Arbeiter in der Fertigung (nicht nur für Data Scientists) interpretierbar sein → Der Entscheidungsbaum liefert klare WENN-DANN-Regeln
- Alternative Modelle: Logistische Regression, Neuronale Netze, Random Forest — genau, aber für nicht-technisches Personal schwerer zu erklären
- Vorteil des Entscheidungsbaums: Visuelle, regelbasierte Struktur → Arbeiter können einem einfachen Flussdiagramm folgen → kein Data-Science-Hintergrund nötig, um die Ergebnisse zu nutzen
- Output: Vorhersage (Ausfall/kein Ausfall) + Wahrscheinlichkeit des Ausfalls + Support für diese Wahrscheinlichkeit
Output des Entscheidungsbaums — 4 Blattknoten (Geschäftsregeln)
Abschnitt betitelt „Output des Entscheidungsbaums — 4 Blattknoten (Geschäftsregeln)“
- Kernerkenntnis: Von 7 Eingabemerkmalen verwendet das Modell nur 3 zur Vorhersage: Ölkontamination | MTBF | Auslastung
- Wurzelaufteilung (Knoten 0): Erste Aufteilung erfolgt bei Ölkontamination am Schwellenwert 5,5
- Ölkontamination > 5,5 → gehe nach rechts (Knoten 2) → prüfe dann MTBF
- Ölkontamination ≤ 5,5 → gehe nach links (Knoten 1) → prüfe dann Auslastung
- Blattknoten (4 Endknoten — 3, 4, 5, 6): Jeder gibt eine Vorhersage + Wahrscheinlichkeit + Support an
Blattknoten des Entscheidungsbaums — Geschäftsregeln für die Fertigung
Abschnitt betitelt „Blattknoten des Entscheidungsbaums — Geschäftsregeln für die Fertigung“| Knoten | Bedingung 1 (Ölkontamination) | Bedingung 2 (Auslastung oder MTBF) | Vorhersage | Klassifikationsgenauigkeit (Wahrsch.) | Support |
|---|---|---|---|---|---|
| 3 | Öl ≤ 5,5 | Auslastung ≤ 92,05% | Fällt NICHT aus ✓ | 83% | 16% |
| 4 | Öl ≤ 5,5 | Auslastung > 92,05% | FÄLLT AUS ✗ | 88% | 5% |
| 5 | Öl > 5,5 | MTBF ≤ 23,95 | FÄLLT AUS ✗ | 77% | 70% |
| 6 | Öl > 5,5 | MTBF > 23,95 | Fällt NICHT aus ✓ | 71% | 9% |
Die Ausgabe verstehen — Drei Schlüsselbegriffe
Abschnitt betitelt „Die Ausgabe verstehen — Drei Schlüsselbegriffe“- Vorhersage: “FÄLLT AUS” oder “FÄLLT NICHT AUS” — die Einstufung des Modells für diese Kombination von Parameterwerten.
- Genauigkeit / Wahrscheinlichkeit: Wie viel % der Instanzen mit dieser Regelkombination hatten in historischen Daten tatsächlich dieses Ergebnis. Z.B. 77% bedeutet, dass 77 von 100 Maschinen mit Öl > 5,5 und MTBF ≤ 23,95 tatsächlich ausgefallen sind.
- Support: Wie viel % der gesamten 1000 Instanzen fallen in diesen Knoten. 70% Support = 700 von 1000 Trainingsinstanzen landen in Knoten 5. Hoher Support = Regel basiert auf mehr Daten = mehr Vertrauen in die Regel.
Geschäftsregeln für die Fertigung — Wie Arbeiter das Modell nutzen
Abschnitt betitelt „Geschäftsregeln für die Fertigung — Wie Arbeiter das Modell nutzen“Drucken Sie die 4 Geschäftsregeln aus und hängen Sie sie in der Fertigung auf. Arbeiter müssen nur 3 Parameter überwachen:
- Ölkontamination (NAS-Wert — Prüfung gegen Schwellenwert 5,5)
- MTBF (Mean Time Between Failures — Prüfung gegen Schwellenwert 23,95)
- Auslastung (% — Prüfung gegen Schwellenwert 92,05%)
- Ölkontamination prüfen. Ist sie ≤ 5,5 oder > 5,5?
- Wenn > 5,5 → MTBF prüfen → Regel von Knoten 5 oder Knoten 6 folgen
- Wenn ≤ 5,5 → Auslastung prüfen → Regel von Knoten 3 oder Knoten 4 folgen
- Zweiten Parameter prüfen (MTBF oder Auslastung) → Sie erreichen einen von 4 Blattknoten.
- Vorhersage + Wahrscheinlichkeit ablesen → Wenn Maschine als ausfallend vorhergesagt wird → Manager warnen → sofortige vorbeugende Wartung planen.
Zwei durchgeführte Vorhersagen — Das Modell anwenden
Abschnitt betitelt „Zwei durchgeführte Vorhersagen — Das Modell anwenden“| Parameter | Maschine 1 (Beispiel aus dem Kurs) | Maschine 2 (Beispiel aus dem Kurs) |
|---|---|---|
| Alter | 11 Jahre | 4 Jahre |
| Auslastung | 78% | 91% |
| MTBF | 15 | 24 |
| Ungeplante Ausfallzeit | 3% | 4% |
| Ölkontamination | 8 (> 5,5) | 5 (≤ 5,5) |
| Überholungseinhaltung | 92% | 88% |
| Schmierungseinhaltung | 90% | 87% |
| Schritt 1: Ölkontamination prüfen | 8 > 5,5 → gehe zu Zweig von Knoten 2 | 5 ≤ 5,5 → gehe zu Zweig von Knoten 1 |
| Schritt 2: 2. Parameter prüfen | MTBF = 15 ≤ 23,95 → Knoten 5 | Auslastung = 91% ≤ 92,05% → Knoten 3 |
| Vorhersage | FÄLLT AUS ✗ | Fällt NICHT aus ✓ |
| Genauigkeit / Wahrscheinlichkeit | 77% | 83% |
| Support | 70% | 16% |
Maschine 1 — Durchlauf
Abschnitt betitelt „Maschine 1 — Durchlauf“- Ölkontamination = 8 → 8 > 5,5 → folge rechtem Zweig (Knoten 2)
- MTBF = 15 → 15 ≤ 23,95 → Knoten 5
- Vorhersage: Maschine FÄLLT AUS | Wahrscheinlichkeit = 77% | Support = 70%
- Aktion: Sofort Wartungsteam alarmieren. Inspektion und Wartung vor dem Ausfall planen.
Maschine 2 — Durchlauf
Abschnitt betitelt „Maschine 2 — Durchlauf“- Ölkontamination = 5 → 5 ≤ 5,5 → folge linkem Zweig (Knoten 1)
- Auslastung = 91% → 91% ≤ 92,05% → Knoten 3
- Vorhersage: Maschine fällt NICHT AUS | Wahrscheinlichkeit = 83% | Support = 16%
- Aktion: Keine unmittelbare Wartung erforderlich. Normalbetrieb fortsetzen. Ölkontamination genau überwachen (Grenzwert bei 5, nah am Schwellenwert 5,5).
Support interpretieren — Warum es wichtig ist
Abschnitt betitelt „Support interpretieren — Warum es wichtig ist“- Knoten 5: 70% Support = 700 von 1000 Trainingsinstanzen fallen hierhin. Dies ist der datenreichste Knoten → Vorhersage ist am zuverlässigsten.
- Knoten 4: 5% Support = nur 50 von 1000 Instanzen. Hohe Genauigkeit (88%), basiert aber auf sehr wenigen Datenpunkten → mit Vorsicht genießen.
- Knoten 6: 9% Support = 90 Instanzen. Angemessen, aber nicht so stark wie Knoten 5.
- Knoten 3: 16% Support = 160 Instanzen. Mittlerer Support — recht zuverlässig für die Vorhersage, dass kein Ausfall eintritt.
Faustregel: Hoher Support + hohe Genauigkeit = handlungsfähigste Regel. Geringer Support, selbst bei hoher Genauigkeit = Vorhersage mit Vorsicht behandeln.
Merkmalsauswahl — Warum nur 3 von 7 Parametern?
Abschnitt betitelt „Merkmalsauswahl — Warum nur 3 von 7 Parametern?“Dem Modell wurden alle 7 Parameter vorgegeben, aber der Entscheidungsbaum hat herausgefunden, dass nur 3 für genaue Vorhersagen benötigt werden:
- Ölkontamination — am stärksten differenzierende Variable (verwendet am Wurzelknoten)
- MTBF — zweiter Split auf dem Zweig mit hoher Kontamination
- Auslastung — zweiter Split auf dem Zweig mit geringer Kontamination
- Alter, ungeplante Ausfallzeit, Überholungseinhaltung, Schmierungseinhaltung: Vom Modell nicht ausgewählt — entweder redundant (korreliert mit den 3 ausgewählten) oder weniger differenzierend
Vorteil: Weniger Parameter zu überwachen → einfacher für Mitarbeiter in der Fertigung → geringerer Aufwand für Datenerfassung → schnellere Entscheidungsfindung
Analysekette in dieser Fallstudie
Abschnitt betitelt „Analysekette in dieser Fallstudie“| Analyseart | Wie sie angewendet wurde |
|---|---|
| Deskriptiv (Beschreibend) | Vergangene Maschinendaten für 1000 Instanzen über 7 Parameter hinweg erfasst. Historische Ausfallrate ermittelt. Welche Maschinen fielen am häufigsten aus? Wie oft? Wann? |
| Diagnostisch | Welche Parameter hängen mit Ausfällen zusammen? Ölkontamination, MTBF und Auslastung als am stärksten differenzierend identifiziert — diese erklären, WARUM Maschinen ausfallen. |
| Prädiktiv (Vorhersagend) | Klassifikationsbaum mit 1000 Instanzen trainiert → Modell sagt vorher, ob eine Maschine bei aktuellen Parameterwerten ausfallen WIRD. Output: Ausfall/kein Ausfall + Wahrscheinlichkeit + Support. |
| Präskriptiv (Vorschreibend) | Wenn das Modell einen Ausfall mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagt → Aktion vorschreiben: vorbeugende Wartung planen, Ersatzteile bestellen, Ölsystem anpassen, Maschinenauslastung reduzieren. Ziel: den Ausfall verhindern, bevor er eintritt. |
Zusammenfassung der Session
Abschnitt betitelt „Zusammenfassung der Session“- Problem: Produktionsanlage mit 1-2 Maschinenausfällen pro Monat → Produktionsstopps → Unzufriedenheit der Kunden
- Ansatz: Predictive Maintenance (Vorausschauende Wartung) mittels Klassifikationsbaum-Modell
- Daten: 1000 Instanzen | 7 Merkmale (Alter, Auslastung, MTBF, ungeplante Ausfallzeit, Ölkontamination, Überholungseinhaltung, Schmierungseinhaltung) + 1 Ziel (ausgefallen / nicht ausgefallen)
- Modell: Klassifikationsbaum — interpretierbar, regelbasiert, durch nicht-technisches Fertigungspersonal anwendbar
- 3 vom Modell ausgewählte Parameter: Ölkontamination | MTBF | Auslastung (von 7 Eingabemerkmalen)
- 4 Geschäftsregeln (Blattknoten): Knoten 3 (fällt nicht aus, 83%, 16%) | Knoten 4 (fällt aus, 88%, 5%) | Knoten 5 (fällt aus, 77%, 70%) | Knoten 6 (fällt nicht aus, 71%, 9%)
- Vorhersage Maschine 1: Öl = 8 > 5,5, MTBF = 15 ≤ 23,95 → Knoten 5 → FÄLLT AUS (77% Wahrscheinlichkeit)
- Vorhersage Maschine 2: Öl = 5 ≤ 5,5, Auslastung = 91% ≤ 92,05% → Knoten 3 → Fällt NICHT AUS (83% Wahrscheinlichkeit)
- Nächste Session: Diesen Klassifikationsbaum von Grund auf neu erstellen — Theorie + Python-Coding in der Praxis