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Woche 2 | Sitzung 5: Bestandssegmentierung — Methoden, Fortgeschrittene Ansätze und AHP-Fallstudie

Kurs: Supply-Chain-Digitalisierung



Hauptvorteile:

VorteilBeschreibung
KostenoptimierungSC-Ressourcen genau dort zuweisen, wo sie den größten Wert generieren
Verbesserte ServiceniveausDas richtige Serviceniveau je SKU-Kategorie festlegen und aufrechterhalten
Richtiges LagersystemGeeignete Lagerinfrastruktur je Bestandstyp zuweisen
Bessere KommissionierstrategieLager- und Verteilzentrumsprozesse basierend auf Bewegungshäufigkeit und Artikelmerkmalen gestalten
Operative LeistungGesamtverbesserung bei Erfüllung, Nachschub und Bestandsgenauigkeit

Beliebte Bestandssegmentierungsmethoden — 4 Traditionelle Ansätze

Abschnitt betitelt „Beliebte Bestandssegmentierungsmethoden — 4 Traditionelle Ansätze“
Kriterium: Umsatzbeitrag

Klassifikation basierend auf dem Umsatzbeitrag jedes Bestandsartikels — das Pareto-Prinzip angewendet auf den Bestand.

SegmentAnteil der ProdukteAnteil am UmsatzManagementpriorität
A~20 %~80 %Höchste — eng überwacht, häufige Überprüfung
B~30 %~15 %Mittel — regelmäßige Überprüfung
C~50 %~5 %Niedrigste — vereinfachtes, automatisiertes Management

Kriterium: Bewegungsgeschwindigkeit

Klassifikation basierend auf der Verbrauchsrate und Bewegungsgeschwindigkeit durch das Lager.

SegmentAnteil der ArtikelBewegungsverhaltenDurchschn. kumulativer Verbleib
F — Schnelldrehend~10 %Sehr kurzer Verbleib im Lager; schnell verbrauchtWeniger als 10 % des durchschn. kumulativen Verbleibs
S — Langsamdrehend~30 %Moderate Bewegung; verbleibt länger im Lager~20 % des durchschn. kumulativen Verbleibs
N — Nicht-bewegend~50 %Stagnierender Bestand — kein Verbrauch für längere Zeit; Lagerumschlagsquotient < 1Hoher kumulativer Verbleib

Kriterium: Operative Kritizität

Klassifikation basierend auf der Kritizität jedes Artikels für den Geschäftsbetrieb — nicht seinem Wert oder seiner Bewegungsgeschwindigkeit.

SegmentBedeutungBeschreibung
V — VitalKann ohne ihn nicht betrieben werdenAbsolut entscheidend — Geschäft stoppt bei Nichtverfügbarkeit
E — WesentlichSehr wichtigHohe Priorität nach Vital; erhebliche Störung bei Nichtverfügbarkeit
D — ErwünschtNicht unbedingt erforderlichBetrieb kann ohne ihn fortfahren, aber Qualität oder Effizienz leidet

Kriterium: Nachfragevoraussagbarkeit

Klassifikation basierend auf der Vorhersagbarkeit der Nachfrage über die Zeit — ergänzend zur ABC-Analyse.

SegmentNachfrageverhaltenManagementansatz
XGeringe oder keine Variation — hochgradig vorhersagbarSchlanker Bestand; enge Nachschubzyklen
YUngleichmäßige Nachfrage — aber zu einem gewissen Grad vorhersagbarModerater Sicherheitsbestand; regelmäßige Überprüfung
ZSehr hohe Variation — kein erkennbarer Trend oder kausale FaktorenHoher Sicherheitsbestand; häufige Überwachung; am schwierigsten zu managen

MethodeKlassifikationskriteriumSegmente
ABCUmsatzbeitragA (hoch) / B (mittel) / C (niedrig)
FSNBewegungsgeschwindigkeit / VerbrauchsrateF (schnell) / S (langsam) / N (nicht-bewegend)
VEDKritizität für den BetriebV (vital) / E (wesentlich) / D (erwünscht)
XYZNachfragevoraussagbarkeit / -variabilitätX (stabil) / Y (variabel) / Z (unvorhersagbar)

Mehrkriterien-Methoden
  • Lineare Programmierung (LP) oder Nichtlineare Programmierung (NLP)
  • Formuliert das Segmentierungsproblem als mathematisches Optimierungsmodell, das mehrere Kriterien gleichzeitig integriert

Verwendet, wenn das Problem zu komplex für exakte mathematische Programmierung ist:

AlgorithmusTyp
Genetischer Algorithmus (GA)Evolutionäre Optimierung
Partikelschwarm-Optimierung (PSO)Schwarm-Intelligenz
Simulated AnnealingProbabilistische lokale Suche

Stark datengetrieben — gut geeignet für die heutige datenreiche SC-Umgebung:

AlgorithmusTyp
Künstliche Neuronale Netze (KNN)Deep Learning
Support Vector Machines (SVM)Überwachte Klassifikation
RückpropagierungsnetzeNeuronales Netzwerktraining
K-Nächste-Nachbarn (KNN)Instanzbasiertes Lernen
RegressionsmodellePrädiktive Modellierung

Integriert Expertenmeinung zur Gewichtung mehrerer Faktoren:

MethodeBeschreibung
AHP — Analytischer HierarchieprozessPaarweiser Vergleich von Kriterien zur Ableitung von Prioritätsgewichten
Fuzzy AHPAHP mit Fuzzy-Logik zur Handhabung von Unsicherheit im Expertenurteil
ANP — Analytischer NetzwerkprozessErweiterung des AHP, die Abhängigkeiten zwischen Kriterien zulässt

Kombinationen der obigen — z.B. AHP + ML, GA + LP — verwendet wenn keine einzelne Methode allein ausreicht.


MCDM-Rahmen

AHP organisiert eine komplexe, multifaktorielle Entscheidung in eine hierarchische Struktur, führt paarweise Vergleiche aller Faktoren durch, um ihre relative Wichtigkeit zu bestimmen, und gibt quantitative, konsistente Prioritätsgewichte für jeden Faktor aus.

AHP-Hierarchische Strukturdiagramm — Ziel → Kriterien → Alternativen

  1. Problem definieren — Ziel klar formulieren
  2. Hierarchisches Rahmen entwickeln — alle Kriterien auflisten und ihre Beziehungen abbilden
  3. Paarweise Vergleichsmatrix erstellen für jede Ebene mit der Saaty-Skala (1–9)
  4. Matrix normalisieren — Kriteriengewichte berechnen (der Prioritätsvektor)
  5. Konsistenzquotienten (CR) berechnen mit: CR = CI / RI wobei CI = Konsistenzindex und RI = Zufallsindex (Standardtabellenwert basierend auf Matrixgröße)
  6. CR prüfen: Wenn CR < 0,1 → konsistent, fortfahren. Wenn CR ≥ 0,1 → inkonsistent, zu Schritt 3 zurückgehen und paarweisen Vergleich wiederholen

Fallstudie — AHP-basierte Bestandssegmentierung: XYZ E-tailer

Abschnitt betitelt „Fallstudie — AHP-basierte Bestandssegmentierung: XYZ E-tailer“
Fallstudie
ParameterDetail
UnternehmenXYZ E-tail — ein E-Commerce-Händler
EinschränkungFester Lagerraum unter einem 3-Jahres-Vertrag
ListungsrichtlinieEin Produkt wird nur als ‘verfügbar’ gelistet, wenn es physisch im Lager vorhanden ist
HerausforderungManagement möchte das Produktportfolio erweitern, aber der Lagerraum ist begrenzt
Frühere Richtlinie95 % Serviceniveau einheitlich für alle SKUs
Neuer Plan25 SKUs in 3 Gruppen mit differenzierten Serviceniveaus klassifizieren
ToolAHP — zur Klassifizierung von 25 SKUs in Klasse A / B / C

Ziel-Serviceniveaus unter der neuen Klassifikation:

KlasseServiceniveau
A95 %
B90 %
C85 %

XYZ E-tailer SKU-Datentabelle — 25 SKUs mit Werten über alle 6 Kriterien


Kriterien-Zusammenfassungstabelle — Richtung und Beschreibung aller 6 AHP-Kriterien

Die sechs verwendeten Kriterien mit ihrer Präferenzrichtung:

#KriteriumEinheitRichtung
1Monatliche NachfrageEinheiten/MonatHöher = Besser
2Priorität der ProduktkategorieWert 1–10Höher = Besser
3Lieferantenuverlässigkeit% perfekte BestellungenHöher = Besser
4Gewinnmarge%Höher = Besser
5VorlaufzeitStundenNiedriger = Besser
6Rückgabewahrscheinlichkeit%Niedriger = Besser

Paarweise Vergleichsmatrix — 6×6 Saaty-Skala-Bewertungen für alle Kriterienpaare

Beispiellesart: Monatliche Nachfrage vs. Priorität der Produktkategorie → Monatliche Nachfrage bewertet 3× wichtiger (Saaty-Skala = 3).


Schritt 2 — Normalisierte Matrix und Kriteriengewichte

Abschnitt betitelt „Schritt 2 — Normalisierte Matrix und Kriteriengewichte“

Normalisierte Paarvergleichsmatrix und Kriteriengewicht (Prioritätsvektor) Tabelle


Kriteriengewichte-Zusammenfassung — AHP-Prioritätsvektor für alle 6 Faktoren


Problem: Alle sechs Kriterien haben verschiedene Einheiten — sie können nicht direkt verglichen oder multipliziert werden.

Lösung: Alle Kriterien auf eine 0–1-Skala normalisieren, bevor die Bewertung erfolgt.

Normalisierte SKU-Datentabelle — Alle 25 SKUs mit normalisierten Scores über alle 6 Kriterien



  1. Sortieren alle 25 SKUs nach kombiniertem SKU-Score in absteigender Reihenfolge (höchster → wichtigster)
  2. Kumulativen Score berechnen und den kumulativen % des Gesamtscores für jede SKU
  3. Schwellenwerte anwenden um Klassen zuzuweisen:
    • Klasse A → Top-SKUs bis ~60 % des kumulativen Scores → 7 von 25 Artikeln → 95 % Serviceniveau
    • Klasse B → nächste ~25 % des kumulativen Scores → 8 von 25 Artikeln → 90 % Serviceniveau
    • Klasse C → verbleibende ~15 % → 10 von 25 Artikeln → 85 % Serviceniveau

Endgültige SKU-Scores-Tabelle — Sortiert nach Score mit kumulativem % und A/B/C-Klassenzuweisung

Klassifikationszusammenfassung — Anzahl der SKUs je Klasse und zugewiesenes Serviceniveau


Modul-2-Zusammenfassung — Supply-Chain-Segmentierung (Alle 5 Sitzungen)

Abschnitt betitelt „Modul-2-Zusammenfassung — Supply-Chain-Segmentierung (Alle 5 Sitzungen)“
SitzungBehandeltes Thema
Sitzung 1SC-Herausforderungen — Begründung, warum Segmentierung notwendig ist
Sitzung 28 Gründe für Segmentierung + 7 Segmentierungstypen
Sitzung 3Funktionale vs. Innovative Produkte → Effiziente vs. Reaktionsfähige SC → Push / Pull / Hybrid → Push-Pull-Grenze
Sitzung 4Analytische Produktsegmentierung (VK-Quadrant) + Kraljic-Matrix
Sitzung 5Bestandssegmentierung — ABC / FSN / VED / XYZ + Fortgeschrittene Methoden + AHP-Mehrkriterien-Klassifikations-Fallstudie