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Woche 2 | Sitzung 2: Notwendigkeit der SC-Segmentierung und Segmentierungstypen

Kurs: Supply-Chain-Digitalisierung



Die acht unten stehenden Bedürfnisse bilden zusammen den vollständigen Fall für SC-Segmentierung. Jedes einzelne legt eine Dimension der Komplexität frei, die eine einzige undifferenzierte SC-Strategie nicht bewältigen kann.

#BedürfnisSegmentierungslinse
1Unterschiedliche KundenbedürfnisseEinzelhandel vs. B2B
2Variierende NachfragemusterHochnachfrage- vs. Niedernachfrageregionen
3ProduktmerkmaleVerderblich vs. Dauerhaft
4Operative EffizienzStandard- vs. Maßgeschneiderte Produkte
5KostensenkungStandard- vs. Hochwertige Produkte
6RisikomanagementKritische vs. Unkritische Komponenten
7Kundenorientierter AnsatzPremium- vs. Standardkunden
8Anpassung an MarktdynamikenSchwellen- vs. Reife Märkte

Bedürfnis 1 — Unterschiedliche Kundenbedürfnisse

Abschnitt betitelt „Bedürfnis 1 — Unterschiedliche Kundenbedürfnisse“
Kundensegmentierung

Kernidee: Kunden haben grundlegend unterschiedliche Bedürfnisse, Präferenzen und Erwartungen — die SC muss auf jeden Typ ausgerichtet werden.

KundentypMerkmaleSC-Strategie
EinzelhandelskundenEinzelpersonen, die personalisierte Services erwarten — Heimlieferung, personalisierte Aktionen, E-Commerce-ErfüllungSC-Netzwerk auf individuelle Anforderungen und schnelle Letzte-Meile-Lieferung ausrichten
B2B-KundenBestellen in großen Mengen; Fokus auf Massenlieferungen und rationalisiertem EinkaufKostensenkung bei Massenlieferungen und effiziente Großhandhabungsprozesse priorisieren

Nachfragesegmentierung

Kernidee: Nachfrage ist nie konstant — sie variiert nach Markt, Region und Kundengruppe.

RegionstypStrategie
HochnachfrageregionenGroßen Bestand halten + schnelle Nachfüllzyklen → Ziel: null Fehlmengen
NiedernachfrageregionenKleinere Bestandsniveaus + Just-in-Time (JIT) Nachfüllung → Haltekosten sparen

Nachfolgeeffekt des Nachfrageverständnisses:

  1. Nachfragemerkmale verstanden → Bestandsniveaus planen
  2. Bestandsniveaus geplant → Produktionspläne planen
  3. Produktionsplan bestimmt → Distributionsstrategie planen

Produktbasierte Segmentierung

Kernidee: Das Produktportfolio eines Unternehmens ist selten homogen. Wichtige Merkmale, die unterschiedliche SC-Anforderungen bestimmen: Produktlebenszyklusphase, Nachfragevolatilität, besondere Handhabungsanforderungen und Verderblichkeit.

ProdukttypSC-MerkmaleStrategie
Verderbliche Waren (z.B. Backwaren, Milch)Kurze Haltbarkeit → erfordert eine kurze, schnelle LieferketteSchnellversand; digitale Verfolgung zur Echtzeit-Bestandsüberwachung
Dauerhafte WarenLange Haltbarkeit → können längere Zeit gelagert werdenKostengünstige Transportmodi; Bestandsmanagement ist der primäre Hebel

Prozesssegmentierung

Kernidee: Traditionelles lineares SC-Design ist kostenfokussiert und auf Konsolidierung ausgerichtet — aber es kann die einzigartigen Anforderungen heutiger Kunden, die Vielfalt und Anpassung verlangen, nicht erfüllen. Die Lösung: Produkte als Standard vs. Angepasst segmentieren und separate Prozesse für jedes entwickeln.

ProdukttypBeispielSC-Prozessdesign
StandardprodukteSalzherstellung — stabile Nachfrage, keine Anpassung erforderlichKontinuierliche, systematische Produktion; rationalisierte, standardisierte SC-Prozesse
Maßgeschneiderte ProdukteAuftragsfertigungsartikelDedizierte Produktionslinien + flexible Planung; SC-Prozesse auf jeden Produkttyp zugeschnitten

Kostenstrategie

Kernidee: Kostenmanagement ist das primäre Ziel aller SC-Betriebe. Aber SC-Komplexität macht pauschale Kostensenkungen unwirksam. Segmentierung nach Produktwert ermöglicht gezielte Ressourcenzuweisung.

ProdukttypVerpackung und LogistikPriorität
StandardprodukteStandard-/Massenverpackung + kostengünstige LogistikLogistikkosten minimieren
Hochwertige ProdukteSpezialverpackung + Premium-/sicherer Versand; alle Services beschleunigtKundenzufriedenheit — Kapazitätsauslastung ist nicht das primäre Anliegen

Versorgungsrisiko

Kernidee: SC ist global verteilt und nationalen, globalen, geopolitischen und Naturkatastrophenrisiken ausgesetzt. Segmentierung von Komponenten nach Kritikalität bestimmt die geeignete Risikominimierungsstrategie.

KomponententypBeispielStrategie
Kritische KomponentenHalbleiter für Automobile oder ElektronikDual Sourcing (mehrere Lieferanten); ausreichend Sicherheitsbestand; enge Lieferantenkoordination
Unkritische KomponentenGeringfügige EingabenSingle Sourcing akzeptabel; flexible Vereinbarungen möglich

Servicesegmentierung

Kernidee: Kunden erwarten zunehmend personalisierte Erfahrungen. Ein einziges Serviceniveau für alle Kunden ignoriert den Unterschied in ihren Erwartungen und ihrer Zahlungsbereitschaft.

KundenebeneServiceangebot
Premium-KundenExklusive Angebote + schnellere Versandoptionen + vorrangige Erfüllung
StandardkundenStandardservices + Standardversand

Ziel: Kundenloyalität und positives Markenimage auf beiden Ebenen sicherstellen — indem die Erwartungen jeder Ebene präzise erfüllt werden.


Geografische Segmentierung

Kernidee: Wirtschaftliche Bedingungen und regulatorische Änderungen verändern direkt die SC-Anforderungen in verschiedenen Märkten.

MarkttypMerkmaleSC-Strategie
SchwellenmärkteNiedriges Einkommensniveau, dichte Bevölkerung, schlechte Infrastruktur, politische und kulturelle KomplexitätAgiles SC-Design — Nachfrageschwankungen schnell managen
Reife MärkteStabile, vorhersagbare Nachfrage; etablierte InfrastrukturEffizientes SC-Design — Standardprodukte mit konsistenter Nachfrage

Die SC nach Kundengruppen segmentieren — Einzelhandelskunden, Großhandelskunden, B2B-Kunden usw. — und die Strategie auf die unterschiedlichen Anforderungen jeder Gruppe ausrichten.

Produkte klassifizieren nach: Nachfragevolatilität, Haltbarkeit/Verderblichkeit und spezifischen Handhabungsanforderungen. Produkttypen: Hochwertig | Schnelldrehend | Langsam drehend | Verderblich.

Nach Region, Nachfragemuster, regulatorischen Anforderungen und Verteilnetzanforderungen segmentieren. Ermöglicht maßgeschneiderte SC-Strategien je Region.

Kanäle — Direktvertrieb, Einzelhändler, E-Commerce — haben jeweils unterschiedliche operative Praktiken und Lieferanforderungen. Die SC muss je Kanal angepasst werden.

Fokus auf wertschöpfende Aktivitäten auf jeder SC-Stufe. Verschiedene Strategien für Lieferanten, Hersteller und Händler entwickeln — jede Funktion innerhalb der Wertschöpfungskette optimieren.

Nach Saisonalität oder Variabilität der Nachfrage segmentieren. Saisonale Nachfrage erfordert eine andere SC-Strategie (flexibel, pufferreich) als konstante, stetige Nachfrage (effizient, schlank).

Bestände mithilfe standardisierter Analysetools klassifizieren:

ToolZweck
ABC-AnalyseNach Wert/Wichtigkeit klassifizieren (A = hoch, B = mittel, C = niedrig)
XYZ-AnalyseNach Nachfragevariabilität klassifizieren (X = stabil, Y = variabel, Z = hochvolatil)
VorlaufzeitanalyseNach Wiederbeschaffungsvorlaufzeit segmentieren für Sicherheitsbestand- und Meldebestandentscheidungen