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Woche 6 | Session 2: Arten von Analytics & SCM-Anwendungen

Kurs: Supply Chain Digitalisierung — Modul 3: Analytics im SCM



#TypKernfrageZeitorientierungTypische Methoden / Tools
1DeskriptivWas ist passiert?Nur vergangene DatenBalkendiagramme, Dashboards (Power BI, Tableau), Mittelwert, Standardabweichung
2DiagnostischWarum ist es passiert?Vergangene Daten — UrsachenforschungUrsachenanalyse, Drill-Down-Analyse, Korrelationsanalyse
3PrädiktivWas wird passieren?Vergangene Daten → Modell → ZukunftsprognoseStatistische Prognosen, ML-Modelle (Regression, Neuronale Netze)
4PräskriptivWas sollte getan werden?Zukunftsorientiert — HandlungsempfehlungOptimierungsmodelle (LP, MIP), Simulation, Decision Support

Wichtiges mentales Modell: Deskriptiv → Diagnostisch → Prädiktiv → Präskriptiv = eine Kette. Jede Ebene baut auf der vorherigen auf. Präskriptiv = Optimierung: Kosten minimieren | Gewinn maximieren | Risiko minimieren — unter realen Bedingungen


1. Deskriptive Analytics — “Was ist passiert?”

Abschnitt betitelt „1. Deskriptive Analytics — “Was ist passiert?”“
  • Definition: Analysiert vergangene Daten, um zusammenzufassen, was aufgetreten ist — Durchschnitt, Median, Standardabweichung, Trends, Muster
  • Output: Diagramme, Dashboards, zusammenfassende Statistiken
  • Tools: Power BI | Tableau | Excel-Dashboards | Balkendiagramme | Kreisdiagramme
  • Nachfrageanalyse: Wie hoch war die durchschnittliche Nachfrage pro Monat für jede SKU in den letzten 2–3 Jahren?
  • FMCG-CEO-Dashboard: Wie viele Einheiten sind in jedem DC? Welches Lager hat unverkäufliche Ware?
  • Qualitätsüberwachung: Welche Produkte (X, Y, Z) weisen Qualitätsmängel auf? Über welchen Zeitraum?
  • Mitarbeiterleistung: Welche Kommissionierer/Packer in einer E-Commerce-Sortieranlage haben ihre Zeitvorgaben erfüllt?

2. Diagnostische Analytics — “Warum ist es passiert?”

Abschnitt betitelt „2. Diagnostische Analytics — “Warum ist es passiert?”“
  • Definition: Gräbt in vergangenen Daten, um die Grundursachen von Ereignissen zu identifizieren — warum die Leistung von den Erwartungen abwich
  • Output: Grundursache identifiziert | Korrekturmaßnahme ausgelöst
  • Analogie: Mikroskop — Zoomen Sie in die Daten, um das zugrunde liegende Problem zu finden
  • Produkttnachfrage gesunken: Deskriptiv zeigt, dass die Nachfrage nach Produkt A fiel. Diagnostisch fragt: Warum? → Konkurrent trat in den Markt ein → Korrekturmaßnahme: Neupositionierung, Preisanpassung
  • Produkttnachfrage gestiegen: Deskriptiv zeigt, dass die Nachfrage nach Produkt B stieg. Diagnostisch identifiziert, WARUM sie stieg → Ursache replizieren, um Wachstum aufrechtzuerhalten
  • Qualitätsfehler: Produkt Z hat Qualitätsprobleme. Diagnostisch verfolgt Grundursache zurück: Komponente C1 ist defekt → Komponente C1 wurde von Lieferant 1 geliefert → Lieferant 1 benachrichtigt

3. Prädiktive Analytics — “Was wird passieren?”

Abschnitt betitelt „3. Prädiktive Analytics — “Was wird passieren?”“
  • Definition: Nutzt vergangene Daten, um Modelle zu erstellen, die zukünftige Ergebnisse vorhersagen — Nachfrage, Maschinenausfall, ETA bei Lieferung, Mitarbeiterleistung
  • Output: Prognosewerte mit zugehöriger Wahrscheinlichkeit oder Konfidenzintervall
  • Tools: Statistische Modelle (ARIMA, exponentielle Glättung) | ML-Modelle (Regression, Neuronale Netze, Zeitreihen)
  • Nachfrageprognose: Vorhersage der Nachfrage für jede SKU für die nächsten 15 Tage, 2 Monate, 6 Monate. ML wird für hohe Variabilität benötigt, die durch Social Media getrieben wird.
  • Predictive Maintenance (Vorausschauende Wartung): Modell sagt voraus: “Diese Maschine wird in 2–3 Tagen ausfallen.” → Wartung proaktiv geplant → vermeidet Produktionsstopp
  • Vorhersage der Mitarbeitereffizienz: Vergangene Leistungsdaten nutzen, um den Effizienzwert jedes Mitarbeiters für die nächsten 6 Monate vorherzusagen
  • ETA von Überseelieferungen: Vorhersage des tatsächlichen Ankunftsdatums einer Sendung (z.B. 5 Tage Verzögerung oder 4 Tage früher) → Produktionsplan entsprechend anpassen

4. Präskriptive Analytics — “Was sollte getan werden?”

Abschnitt betitelt „4. Präskriptive Analytics — “Was sollte getan werden?”“
  • Definition: Nutzt Vorhersagen und Optimierung, um die beste Entscheidung oder Maßnahme zu empfehlen — Kosten minimieren, Gewinn maximieren, Risiko minimieren, abhängig von betrieblichen Einschränkungen
  • Kernmethode: Optimierung (Linear Programming, Mixed Integer Programming, Simulation)
  • Output: Eine empfohlene Maßnahme oder Entscheidung — nicht nur eine Prognose
  • Kapazitätserweiterung: Prädiktiv besagt, dass die Nachfrage die Kapazität übersteigen wird. Präskriptiv fragt: Soll ich ein neues Werk bauen oder auslagern? Wenn ein neues Werk, WO? Welche KAPAZITÄT?
  • Lieferantenauswahl: Lieferant 1 disqualifiziert. Präskriptiv optimiert die Auswahl basierend auf Kosten, Vorlaufzeit, Reaktionsfähigkeit und Qualität → entscheidet, welcher Lieferant gewählt wird UND wie viel bei jedem bestellt wird.
  • Personalzuteilung: Vorhergesagte Effizienzwerte nutzen, um Mitarbeitern während der Diwali-Hochphase Aufgaben zuzuweisen: Beste Performer → schnellste, fehlerempfindliche Aufgaben.
  • Slotting-Optimierung: In einem Lager, welches Produkt kommt in welchen Stellplatz? Schnelldreher in die Nähe des Versands, oft zusammen bestellte Artikel in dieselbe Zone (Clustering).

Drei durchgängige Praxisbeispiele (Alle 4 Analytics-Typen)

Abschnitt betitelt „Drei durchgängige Praxisbeispiele (Alle 4 Analytics-Typen)“
SchrittWas getan wird
DeskriptivBalken-/Kreisdiagramm der vergangenen Nachfrage pro Produkt (A und B). Nachfrage nach Produkt B steigt deutlich; Produkt A fällt.
DiagnostischProdukt A fiel → Konkurrent betrat den Markt. Produkt B stieg → neuer Anwendungsfall entdeckt, positiver Social-Media-Buzz.
PrädiktivPrognostiziere Nachfrage nach Produkt B für die nächsten 2–3 Jahre. Nachfrage wird aktuelle Werkskapazität in 18 Monaten übersteigen.
PräskriptivEntscheiden: neues Werk vs. Outsourcing. Wenn neues Werk: Standort + Kapazität optimieren. Wenn Outsourcing: 3PL-Hersteller auswählen.

Beispiel 2 — Qualitätsfehler & Lieferantenmanagement

Abschnitt betitelt „Beispiel 2 — Qualitätsfehler & Lieferantenmanagement“
SchrittWas getan wird
DeskriptivVerfolge Qualitätsfehler bei Produkten X, Y, Z. Produkt Z hat wiederholte Qualitätsfehler in den letzten 4–5 Monaten.
DiagnostischUrsachenanalyse bei ausgefallenen Produkt Z Einheiten → defekte Komponente C1 → C1 wurde von Lieferant 1 geliefert → Lieferant 1 benachrichtigt.
PrädiktivPrognostiziere Wahrscheinlichkeit für weitere Qualitätsfehler, wenn Lieferant 1 bleibt. Prognostiziere auch zukünftige Qualität, Kosten alternativer Lieferanten.
PräskriptivOptimiere Lieferantenauswahl aus Lieferanten 2–5. Kriterien: Kosten + Lieferzeit + Reaktionsfähigkeit + Qualitätsbilanz.

Beispiel 3 — Personalzuteilung in E-Commerce Sortieranlage

Abschnitt betitelt „Beispiel 3 — Personalzuteilung in E-Commerce Sortieranlage“
SchrittWas getan wird
DeskriptivAnalysiere vergangene Leistung jedes Kommissionierers/Packers — wer Zeitpläne einhielt, wer nicht, wer die wenigsten Sortierfehler hatte.
DiagnostischWarum haben bestimmte Mitarbeiter unterdurchschnittlich abgeschnitten? Ermüdung? Unklarer Prozess? Falsche Zonenzuordnung?
PrädiktivPrognostiziere Effizienzwert jedes Mitarbeiters für die nächsten 6 Monate. Ordne Mitarbeiter in hohe / mittlere / niedrige Effizienzklassen ein.
PräskriptivTeile Mitarbeiter basierend auf vorhergesagter Effizienz Aufgaben zu. Während der Festival-Hochphase: teile bestbewertete Mitarbeiter den schnellsten Jobs zu.

Analytics entlang der SCM-Wertschöpfungskette — Referenz

Abschnitt betitelt „Analytics entlang der SCM-Wertschöpfungskette — Referenz“
SCM-BereichDeskriptiv (Was ist passiert?)Diagnostisch (Warum?)Prädiktiv (Was wird passieren?)Präskriptiv (Was tun?)
BeschaffungAnalysiere vergangene Lieferantenkosten, Qualität, LieferzeitWarum hat Lieferant X im letzten Quartal schlecht abgeschnitten?Prognostiziere zukünftige Lieferantenkosten, Vorlaufzeit, ZuverlässigkeitWähle optimale(n) Lieferanten aus + entscheide Bestellmenge bei jedem
Fertigung & QualitätIdentifiziere, welches Produkt/Komponente Qualitätsfehler hatUrsache: Welche Komponente C1 ist defekt? Welcher Lieferant?Prognostiziere Maschinenausfall bevor er auftritt (Predictive Maintenance)Wähle Ersatzlieferant. Optimiere Wartungsplan.
LagerhaltungBestandszählungsbericht — vergleiche ERP vs. physisch.Warum zeigen bestimmte SKUs immer Diskrepanzen?Prognostiziere Mitarbeitereffizienzwerte. Prognostiziere Schnelldreher.Slotting-Optimierung. Zonenbildung. Arbeitszuteilung an Kommissionierer.
Logistik & TransportGPS-Verfolgung der Lieferhistorie. Fahreraugendaten.Warum hatte Lkw auf Route X letzte Woche Verspätung?Prognostiziere ETA von Überseelieferungen. Prognostiziere Fahrerermüdung.Routenoptimierung. Flottenzuweisung. Fahrerplanung.
BedarfsplanungVergangene Nachfrage nach SKU, Zone, Monat.Warum ist die Nachfrage nach Produkt A gesunken?Prognostiziere Nachfrage für nächste 15 Tage, 2 Monate, 6 Monate.Kapazitätserweiterungsplanung. Anlagenstandort. Bestandsvorpositionierung.

Highlights der Bereiche — Wichtige SCM Analytics Anwendungen

Abschnitt betitelt „Highlights der Bereiche — Wichtige SCM Analytics Anwendungen“
  • Lieferantenauswahl: Mehrere Lieferanten verfügbar → präskriptive Optimierung wählt den besten basierend auf Kosten, Vorlaufzeit, Qualität, Reaktionsfähigkeit
  • Entscheidung über Bestellmenge: Wenn Lieferant ausgewählt ist, wie viel bei jedem bestellen?
  • Definition: Modell analysiert Maschinensensordaten → sagt Ausfall 2–3 Tage vorher voraus → Wartungsteam wird proaktiv eingeplant
  • Genutzte Daten: Vibration, Temperatur, Betriebsstunden, Fehlercodes — sensorbasierte Echtzeitdaten

Lagerhaltung — Slotting-Optimierung & Zonenbildung

Abschnitt betitelt „Lagerhaltung — Slotting-Optimierung & Zonenbildung“
  • Slotting: Entscheiden, welches Produkt welchen Stellplatz im Lager belegt → Schnelldreher in der Nähe des Versands
  • Zonenbildung (Zoning): Clustering-Algorithmus gruppiert oft zusammen bestellte Produkte → werden in derselben Zone gelagert → geringere Kommissionierzeit + weniger Fehler

Logistik — Vorhersage von Überseelieferungsverzögerungen

Abschnitt betitelt „Logistik — Vorhersage von Überseelieferungsverzögerungen“
  • Analytics-Lösung: ML-Modell sagt tatsächliches Ankunftsdatum voraus → Produktionsplan wird im Voraus angepasst → vermeidet Haltekosten (frühe Ankunft) oder Produktionsstopp (späte Ankunft)

Bedarfsplanung — Das schwierigste Prognoseproblem

Abschnitt betitelt „Bedarfsplanung — Das schwierigste Prognoseproblem“
  • Warum schwierig: Konsumentenverhalten wird von Social Media, Influencern und schnell wechselnden Vorlieben getrieben.
  • Demand Sensing: Echtzeit-Verfolgung von Nachfragesignalen (Social Media, Suchtrends), um Prognosen kontinuierlich zu aktualisieren
  • ML-Modelle: Besser als traditionelle Modelle für hochvariable Nachfrage, weil sie nicht-lineare Muster und externe Signale erfassen.

  • 4 Analytics-Typen: Deskriptiv (Vergangenheit) → Diagnostisch (Warum) → Prädiktiv (Zukunft) → Präskriptiv (Handlung)
  • Präskriptiv = Optimierung: Kosten minimieren / Gewinn maximieren / Risiko minimieren, abhängig von Einschränkungen
  • 3 vollständige Praxisbeispiele: (1) Bedarfs- + Kapazitätsplanung | (2) Qualitätsfehler + Lieferantenauswahl | (3) Personalzuteilung in Sortieranlage
  • Beschaffungs-Analytics: Lieferantenauswahl + Bestellmengenoptimierung + prädiktive Kosten/Vorlaufzeit
  • Fertigung: Bildanalyse für Qualität | Predictive Maintenance → ungeplante Ausfallzeiten vermeiden
  • Lagerhaltung: Slotting-Optimierung | Zonenbildung (Clustering) | Videoanalyse-Drohnen-Bestandszählung
  • Logistik: ETA-Vorhersage für Überseelieferungen | Fahrerermüdungserkennung (Bildanalyse)
  • Bedarfsplanung: ML > traditionelle Modelle für hochvariable Nachfrage | Demand Sensing | Mehrere Prognosehorizonte
  • Nächstes: KI/ML für Prognosen + Python in der Praxis